Kritik zu Hotel Lux

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Bully Herbig zeigt souveräne Entertainerqualitäten. In Leander Haußmanns neuem Film spielt er einen Kabarettisten, der sich in den Dreißigern auf Diktatoren-Parodien spezialisiert hat

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»Da wo ich bin, ist Tingeltangel«, sagt der Stalin-Imitator Hans Zeisig, und diesen Ausspruch kann man mühelos auf seinen Darsteller Bully Herbig übertragen. Nach einer ganzen Reihe eher leichtgewichtiger Filme bringt Herbig eine gewisse Verve ins Kinouniversum von Leander Haußmann, eine selbstverständliche Entertainment-Lässigkeit. Nach Dany Levys unterschätzter Hitlerparodie Mein Führer geht auch das Gespann Haussmann/ Herbig mit einem durchaus vergnüglichen Unernst an eine ernste Zeit. Und da sich das rigide Regiment der Nationalsozialisten für Verwechslungsspielchen und Verwandlungskunststückchen geradezu anbietet, schlagen auch sie ihre Gegner mit einer subversiven Version ihrer eigenen Waffen.

In den frühen dreißiger Jahren vergnügen Siggi Meyer (Jürgen Vogel) und Hans Zeisig (Michael Herbig) ihr Berliner Publikum mit ausgelassen frechen Parodien von Hitler und Stalin. Als die Luft unter dem Druck der erstarkenden Nationalsozialisten für solche Eskapaden immer dünner wird, sind die Unterhaltungskünstler zum Auswandern gezwungen. Statt gen Westen zu ziehen, ins Traumziel Hollywood, müssen sie 1938 mit Moskau vorlieb nehmen, mit dem legendären Hotel Lux, das damals ein Sammelbecken für kommunistische Flüchtlinge und Funktionäre aus aller Welt war, ein düsteres Haus, in dem der bröckelnde Luxus der zaristischen Epoche eine beklemmende Wendung zum asketischen Sowjetregime nimmt. Und weil Zeisig mit dem Pass des persönlichen Astrologen von Adolf Hitler reist, wird er alsbald in die unmittelbare Nähe Stalins katapultiert, wo ihm seine Improvisationskunst das Überleben sichert.

Der fröhliche Verwechslungsschwank, der sich daraus entwickelt, hat ganz sicher nicht die Schärfe und Tiefe von Lubitschs Sein oder nicht sein oder Chaplins Der grosse Diktator, auch wenn Haußmann mit diesen Vorbildern flirtet. Es fehlt allein schon die existenzielle Nähe zu den Ereignissen, und Leander Haußmann hat ohnehin einen unglücklichen Hang zur Verspätung, wenn man bedenkt, dass er seine schale NVA-Abrechnung 16 Jahre nach dem Fall der Mauer lieferte. Dass der Film jetzt ein wenig wie ein Nachzügler von Mein Führer und Mein bester Feind anmutet, hat allerdings damit zu tun, dass von der ersten Helmut-Dietl-Idee bis zur Fertigstellung zehn lange Jahre vergangen sind, in deren Verlauf mehrere Drehbuchautoren verschlissen wurden.

Während sich Hans Zeisig mit der unbefangenen Leichtigkeit des Naiven durch die Minenfelder von Hitler und Stalin bewegt, streift der Film im saloppen Vorübergehen das politische Personal der Zukunft: Walter Ulbricht, Herbert Wehner, Wilhelm Pieck. Und während eine holländische Kommunistin die Politik mit entschlossenem Ernst betreibt, nimmt Hans Zeisig sie zusammen mit seinem Regisseur auf die locker-leichte Schulter. Das tut niemandem weh und ist durchaus vergnüglich.

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