Kritik zu Garden State

Trailer englisch © Fox Searchlight

2004
Original-Titel: 
Garden State
Filmstart in Deutschland: 
26.05.2005
R: 
B: 
Musik: 
L: 
102 Min
FSK: 
12

Sympathisch-skurriles Regiedebut von Schauspieler Zach Braff

Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 2)

Wie wird man Millionär? Zum Beispiel durch die Erfindung eines Klettverschlusses, dessen Unterschied zum herkömmlichen Klettverschluss darin besteht, dass er kein Geräusch macht. Dieser Erfinder ist nur eine von vielen Figuren in Garden State, die miteinander darum wetteifern, wer von ihnen wohl exzentrischer sei. Besagter Erfinder etwa schießt gern brennende Pfeile in die Luft, denen er beim Herunterkommen auszuweichen versucht. Des Weiteren erleben wir ein Hamsterbegräbnis, einen farbigen Adoptivbruder, der detektivisch ermittelt, welches Haustier auf seine Fernbedienung gepinkelt hat, und einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer zur falschen Jahreszeit - und dies alles in einer einzigen Familie.

Durchgeknallt, aber doch irgendwie liebenswert sind die Figuren, die die Kleinstadt im "Garden State" New Jersey bevölkern. Was auch etwas aussagt über die Perspektive des Films, der sich eben nicht lustig macht über all die exzentrischen Charaktere, die so anders sind als der Protagonist des Films, der Großstädter Andrew "Large" Largeman. Largeman kehrt nach neun Jahren aus Los Angeles, wo der Gelegenheitsschauspieler sein Geld als Kellner in einem asiatischen Restaurant verdient, zum Begräbnis seiner Mutter in seine Heimatstadt zurück. Mit der Reise in die Vergangenheit kommt ein Trauma an die Oberfläche, das Andrew mit Hilfe von Psychopharmaka verdrängt hat: Largeman gibt sich die Schuld daran, dass seine Mutter an einen Rollstuhl gefesselt war, seit er selbst zehn Jahre alt war.

Das einstige Zuhause ist ihm fremd geworden, viele kennen ihn zwar aus einem Fernsehfilm, in dem er einen behinderten Sportler verkörperte, und bringen ihm von daher eine gewisse Verehrung entgegen. Largemans Beziehung zu seinem Vater bleibt kühl, einzig mit seinem Schulfreund Mark, der jetzt als Totengräber arbeitet (und sich nebenbei als Grabräuber betätigt, der Schmuck verhökert), und der quirligen Sam, die er im Wartezimmer eines Arztes kennen lernt, scheint Largeman auf derselben Wellenlänge zu liegen.

Die Figur des mit Psychopharmaka vollgepumpten Protagonisten übersetzt der Film in einen wunderbar gemächlichen Rhythmus, in dem jeder der Kleinstadtbewohner ein interessanteres Leben zu führen scheint als der Besucher aus der Glitzerwelt Los Angeles. Nur wenige erwecken den Eindruck, als hätten sie sich mit ihrer bescheidenen Existenz als Angestellter in einem Supermarkt oder in einem Themenrestaurant (Herumlaufen in Ritterrüstung) abgefunden, andere wissen noch nicht, was sie machen wollen. Das gilt sowohl für den Klettverschluss-Erfinder als auch für Mark, der den Erwerb von Sammelkarten mit Golfkriegmotiven als Zukunftsinvestition verteidigt, sich aber durch die Unvollständigkeit der Sammlung ebenso wenig aus der Ruhe bringen lässt wie durch ein gestohlenes Sammelbild.

Seine lakonische Erzählweise akzentuiert Garden State immer wieder durch kleine Momente der Irritation: das Diplom an der Decke des Psychiaterzimmers, das Hemdenmuster, das identisch ist mit dem Tapetenmuster. Eher selten sind solche Momente im Dialog angesprochen, bisweilen auch gar nicht hervorgehoben, sondern der Aufmerksamkeit des Zuschauers anheim gestellt - wie die Tatsache, dass eine junge Frau haufenweise Schallplatten in ihrem Zimmer hat.

Zach Braff, hier zu Lande bekannt durch die Krankenhaus-Comedy-Serie "Scrubs", der Largeman mit wunderbarem Stoizismus verkörpert, hat mit Garden State jedenfalls ein originelles Kinodebüt als Autor und Regisseur vorgelegt.

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