Kritik zu Eyjafjallajökull – Der unaussprechliche Vulkanfilm

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Nach Der Nächste bitte präsentiert Starkomiker Dany Boon die nächste Beziehungskomödie – diesmal um ein zerstrittenes Paar, das gemeinsam zur Hochzeit der Tochter unterwegs ist

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Um den isländischen Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen, der von einer zufällig über die Tastatur spazierenden Katze stammen könnte, geht es in dieser Komödie eigentlich gar nicht. Der Vulkanausbruch, der im Jahr 2010 so vielen die Pläne vermasselte, dient lediglich als Deus ex Machina, um ein seit Jahren zerstrittenes Exehepaar zusammen in ein Auto zu zwingen. Doch die Reaktion von Valérie und Alain aufeinander ähnelt ebenfalls einer Naturkatastrophe. In Nanosekunden werden zivilisatorische Hemmschwellen hinweggefegt: »Du darfst doch gar nicht fliegen mit deinen falschen Titten«, sagt er, als er entdeckt, dass Valérie im gleichen Flugzeug wie er zur Heirat der gemeinsamen Tochter in Griechenland unterwegs ist. »Onkel Roger, immer noch nicht tot?«, zischt sie, als sie Alains betagten Onkel erblickt. Nach der vom Vulkan erzwungenen Landung in München und der mühsamen Beschaffung eines Mietwagens haut zuerst der Onkel ab; dann – nachdem Valérie und Alain, beim Fahren handgreiflich werdend, fast einen Unfall gebaut haben – zwei weitere Hochzeitsgäste.

Dieses konsequente Vergraulen von Nebenfiguren hat etwas Erfrischendes. Im weiteren Verlauf der Odyssee kommen noch nicht mal die erwarteten Balkanklischees zum Zuge, sieht man von einem während einer schießwütigen albanischen Feier abstürzenden Adler ab. Dann gibt es noch einen Psychopathen, der die zwei in seinem zur Kapelle umgebauten Wohnmobil mitnimmt. Ezékiel steuert eine abgründige, an Tarantino erinnernde Note bei, doch das Expaar ist ihm an Gemeinheit weit überlegen.

Das weitgehende Fehlen nachvollziehbarer Psycho- und sonstiger Logik, die den Rosenkrieg und die Charaktere in der Realität verankern könnten, nähert diese Beziehungskomödie dem Universum eines grausamen Tex-Avery-Cartoons an – und auch dem Anarchostil eines Louis de Funès. Gegen jede Räson verpasst sich das Duo nicht nur verbale Tiefschläge. Es wird getrickst und geklaut, gewürgt und geschlagen. Gekaperte Flugzeuge, Bruchlandungen, üble Verletzungen können die Energie der beiden, die es lieben, sich zu hassen, kaum dämpfen.

Die Aggressivität dieses antisentimentalen Zusammenraufens, bei dem die Bosheit oft über die Komik triumphiert und das Happy End eher pflichtschuldig wirkt, ist für Dany-Boon-Komödien, die eher für ihre Zahnlosigkeit bekannt sind, ziemlich ungewöhnlich. Boon, als schüchterner Postler in Willkommen bei den Sch’tis zum Star aufgestiegen, übernimmt seinen gewohnten Part eines duckmäuserischen, aber durchaus zur Hinterlist fähigen Kümmerers und demonstriert etwa in Fake-Heulkrämpfen sein clowneskes Talent. Doch seine Nemesis, Valérie Bonneton, darf dem Affen Zucker geben und ein hemmungsloses, mit kindlicher Gerissenheit und Rabiatheit ausgestattetes Biest mimen, das ähnlich wie im Märchen von Hase und Igel dem Ex meist um eine Gemeinheit voraus ist. Nichts in diesem Klamauk macht viel Sinn. Doch der Spaß daran, atavistisch über die Stränge zu schlagen, ist den spielfreudigen Darstellern jederzeit anzumerken.

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