Kritik zu Elvis

© Warner Bros. Pictures

Mensch oder Mythos: Baz Luhrmanns Film über den »King of Rock 'n' Roll« ist weniger ein Biopic als vielmehr eine fulminante Hommage, die mit Respekt und Zuneigung einer Ikone der Popkultur huldigt

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Am 16. August diesen Jahres wird Elvis Aaron Presley, auch bekannt als der »King of Rock 'n' Roll«, seit 45 Jahren tot sein. Er war 18 Jahre alt, als er 1953 in Memphis seine erste Platte, ein Geburtstagsgeschenk für seine Mutter, aufnahm und von seinem eigenen Geld bezahlte. Er war 42 Jahre alt – also eigentlich noch im besten Alter, wären da nicht Übergewicht und Tabletten gewesen –, als er 1977, ebenfalls in Memphis, starb. In den dazwischen liegenden 24 Jahren hatte er die Welt erobert, ewig gültige Musik eingespielt und war zur Legende geworden. Mittlerweile lebt »The King« in der Abteilung »Popkultur« im Reich der mythischen Gestalten und macht dort mit Marilyn Monroe und James Dean einen drauf.

Wer sich dieser ikonischen Figur der US-amerikanischen Kulturgeschichte vermittels eines Biopics nähern will, braucht im Dickicht von Mann und Mythos starke Nerven, Skrupel- sowie Respektlosigkeit können auch nicht schaden. Und wer wäre da nun besser geeignet als der australische Drehbuchautor und Regisseur Baz Luhrmann? Hat der sich doch 1996 bei »Romeo + Juliet« mit William Shakespeare und 2013 bei »The Great Gatsby« mit F.Scott Fitzgerald angelegt und hinreichend bewiesen, dass in den hochverehrten Säulenheiligen der Kunst unbändige Lebensenergie steckt, sofern man sich nicht von ihnen ins Bockshorn jagen lässt.

Also packt Luhrmann den Stier bei den Hörnern und löst zunächst einmal schlau das Problem mit der legendenumrankten Vita seines Protagonisten, indem er einen unzuverlässigen Erzähler zum Conférencier macht: Colonel Tom Parker nämlich, Elvis Presleys langjährigen Manager, der, wie sich im weiteren Verlauf herausstellen wird, quasi der Inbegriff eines zwielichtigen Charakters ist/war. Der Colonel, dem Ende nahe, irrlichtert im Krankenhaushemd, einen Infusionsständer mitschleppend, wie ein Gespenst durch die Casinos von Las Vegas und erinnert sich an längst vergangene glamouröse Zeiten – die Luhrmann sodann mit gewohnt fulminanter Geste vor den staunenden Augen seines Publikums wiederauferstehen lässt. 

Doch während es dem Colonel um seine Reputation zu tun ist, ist es Luhrmann um die innere Wahrheit der künstlerischen Gestalt Elvis Presley zu tun; und in jenem flirrenden Grenzbereich zwischen Traum und Tatsache, den das narrative Rahmenkonstrukt ihm eröffnet, kann er sie dingfest machen.

In der voluminösen Maske des koboldhaft-dämonischen Colonel steckt übrigens Tom Hanks, der mit den chargenhaften Seiten seiner Figur offensichtlich ein Riesenvergnügen hat. Er würde mit Elvis glatt davonlaufen, stünde ihm mit Elvis, äh, Austin Butler in der Titelrolle, nicht ein hübscher und talentierter, mit seinen dreißig Jahren noch vergleichsweise junger Mann gegenüber, der hier sehr wahrscheinlich die Rolle seines Lebens spielt.

Dem Konzert kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, genauer: der Beziehung zwischen Musiker und Publikum, noch genauer: der zwischen dem Sexsymbol Elvis und seinen ekstatischen weiblichen Fans. Denn was war noch mal das Innovative in Elvis' Musik? Zum einen die überzeugende Verbindung, die »weiße Country-Musik« und »schwarzer Rhythm & Blues« in ihr eingingen. Zum anderen der Umstand, dass dabei die Sinnlichkeit von R 'n' B nicht auf der Strecke blieb. Was für einen Skandal Elvis seinerzeit mit seinen Hüftschwüngen verursachte, das kann man sich heute, da sich Musiker*innnen auf der Bühne routinemäßig in den Schritt fassen, kaum mehr vorstellen. Die Szenen, in denen Luhrmann die erotische Energie erregter Konzertbesucherinnen mit den konsternierten Blicken der anwesenden düpierten Männer kontrastiert, gehören daher auch mit zu den besten seines Films. In ihnen wirken archaische Kräfte, trifft Enthemmung auf Kontrolle und sieht sich das Patriarchat – erst recht in Gestalt des Colonels – von entfesselter weiblicher Sexualität herausgefordert. Fortan ist das Kräftemessen zwischen dem unbotmäßigen Rockmusiker und seinem väterlich nur scheinenden Manager auch als ein Kampf zwischen der Freiheit der Kunst und ihrer Kommerzialisierung zu lesen.

Meinung zum Thema

Kommentare

Entsetzlich altbacken aufgezogen,langweilig,uninteressant,dem Titel insofern nicht gerecht werdend,alsdaß nicht ein einziger Song in Gänze ohne Störung,sprich Schnitt zu dem nervenden "Manager" genossen werden "durfte"
Zerschnittener Elvis ,anders habe ich es nicht empfunden.
Ich habe den Film frühzeitig verlassen.Vertane Zeit.
Hätte durchaus ähnlich gut wie Rocket Man oder Bohamian Rapsody werden können.
Das Potential wäre vorhanden!!!!

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