Kritik zu Australia

© 20th Century Fox

Kriegen sie sich oder nicht? Nicole Kidman und Hugh »sexiest man alive« Jackman als neues Traumpaar in Baz Luhrmanns historischem Liebesepos

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Als James Camerons »Titanic« vor elf Jahren zum erfolgreichsten Film aller Zeiten avancierte, lag das sicher auch daran, dass die Kinofans in aller Welt die Schnauze voll hatten von der postmodernen Ironie der Neunziger – endlich war da wieder ein Film, der große Gefühle auch ohne cooles Augenzwinkern auf die Leinwand bringt. Wenn man Camerons romantischem Meisterwerk rückblickend etwas vorwerfen kann, dann höchstens, dass es anderen Filmemachern offenbar auf Jahre den Mut genommen hat, ein ähnlich hemmungslos gefühlvolles Liebesepos in Angriff zu nehmen.

Baz Luhrmanns »Australia« versucht nun, wenn man so will, in Camerons Fußstapfen zu treten. Nicole Kidman verkörpert eine britische Aristokratin namens Lady Sarah Ashley, die im Jahr 1939 ins nördliche Australien reist, da sie ihren dort lebenden Mann, einen ambitionierten Viehzüchter, des Ehebruchs verdächtigt. Kurz nach Ankunft erfährt sie jedoch, dass ihr Gatte umgebracht wurde, angeblich von einem alten Aborigine-Schamanen. In Wahrheit stecken der Viehbaron King Carney (Bryan Brown) und sein sadistischer Vasall Fletcher (David Wenham) hinter dem Mord – denn Carney will um jeden Preis die absolute Kontrolle über den Viehhandel gewinnen. Allerdings hat er Sarah unterschätzt, denn die stolze Britin denkt gar nicht daran, die Farm ihres Mannes zu verkaufen, zumal sie für den auf der Farm lebenden Aborigine- Mischlingsjungen Nullah (Brandon Walters) im Lauf der Monate zu einer Art Ersatzmutter geworden ist. Mit Hilfe eines namenlosen raubeinigen Cowboys (Hugh Jackman), den alle Welt nur »Drover« (Viehtreiber) ruft, will Sarah eine riesige Rinderherde nach Darwin treiben und mit dem Verkaufserlös die geerbte Farm wieder auf Vordermann bringen. Dieses Unterfangen, ganz klar, versuchen Carney und Fletcher mit allen Mitteln zu torpedieren. Ebenso klar, dass Sarah und Drover sich über alle Klassenschranken hinweg ineinander verlieben.

»Australia« wird immer wieder als »großes Gefühlskino« in der Tradition von »Vom Winde verweht« oder eben »Titanic« beworben. Ganz so einfach ist die Sache freilich nicht, denn Baz Luhrmann versucht eine Art cineastischen Spagat: Einerseits will er – und das ist ehrenhaft – eine ganz und gar altmodische Romanze von epischen Ausmaßen erzählen (der Film dauert 165 Minuten); andererseits aber traut er sich so ganz ohne postmodernes Augenzwinkern dann doch nicht an die Sache heran. Vor allem in der ersten Viertelstunde, in der Charaktere und Konflikte mit einer irritierenden, gänzlich unepischen Atemlosigkeit etabliert werden, setzt Luhrmann auf Stilmittel, die für die kommenden drei Stunden eher eine comicartige Genreparodie erwarten lassen: Zeitraffer, extreme Close-ups und wild chargierende Darsteller setzen hier gleichwohl einen falschen Ton. Denn im Anschluss drosselt der Regisseur das Tempo und wechselt zu einer Bildsprache, die man angesichts der Geschichte durchaus wohlwollend als kitschig bezeichnen kann: glühende Sonnenuntergänge am Wüstenhorizont, schöne Frauen auf schwarz glänzenden Pferden, schöne Männer am nächtlichen Lagerfeuer, Küsse unterm Sternenhimmel. Und wenn man nicht den Fehler begeht, mit politisch korrekten Maßstäben an diese Kolonialgeschichte heranzugehen, funktioniert »Australia« als Genreware recht gut. Besonders Kinder zwischen neun und zwölf dürften an den harten Kerlen, der prinzessinnenhaft-mütterlichen Hauptdarstellerin, dem zur Identifikation einladenden Aborigine-Jungen und den einfachen Gut-Böse- Schemata ihre helle Freude haben.

Was dem Film bei aller Opulenz fehlt, ist der lange, erzählerische Atem, der ein veritables Epos erst auszeichnet. Luhrmann und seine Co-Autoren erzählen eine Handvoll Geschichten, wo eine einzige ausgereicht hätte. »Australia« will »Red River«, »Der Zauberer von Oz«, »Giganten« und »Vom Winde verweht« in einem sein. Das ist als Pastiche und Zitatesuchspiel für filmkundige Zuschauer sehr nett anzuschauen. Ein individueller Film wird aus diesem Ansatz nicht. Andererseits sind Originalität und ein eigener Stil auch nicht das, was man von Baz Luhrmann wirklich erwartet hätte. Als gefühliges Miniepos zwischendurch ist »Australia« absolut passabel. Auf das wirklich große Kino der Romantik werden wir wohl noch eine Weile warten müssen.

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