Kritik zu Eingeimpft

© Farbfilm

2018
Original-Titel: 
Eingeimpft
Filmstart in Deutschland: 
13.09.2018
Musik: 
L: 
95 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Der Streit ums Impfen, wie er auf Berliner Spielplätzen ausgefochten wird: Dokumentarist David Sieveking (»Vergiss mein nicht«) kämpft sich angenehm unvoreingenommen und eng am eigenen ­Beispiel bleibend durch die Pro-und-Kontra-Debatte rund um den Impfschutz

Bewertung: 3
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The Donald ist ein Impfgegner. Hitler war es auch. Aber das Thema Impfen/Nichtimpfen ist auch bei ganz normalen Eltern von Kleinkindern ein heiß umstrittenes Sujet. Letztes Frühjahr tourte mit »Vaxxed« der Propagandafilm des britischen Impfgegners Andrew Wakefield durch Deutschland. Nun kommt mit David Sievekings  »Eingeimpft« eine komplett andere und gar nicht pamphlethaft angelegte Auseinandersetzung mit dem Thema ins Kino.

Ausgangspunkt ist die mittlerweile im jungen deutschen Dokumentarfilm zur Masche gewordene (und vermutlich von Produzenten und Redaktion gepuschte) humoristisch dargebotene Anknüpfung an das eigene Erleben des Filmemachers. Der mit einem Porträt seiner demenzkranken Mutter (»Vergiss mein nicht«) bekannt gewordene David Sieveking gilt in diesem Metier zu Recht als Pionier und hat auch diesmal seine Rolle rundum plausibel und glaubwürdig angelegt: als frisch gewordener Vater, dessen Partnerin sich nach der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes als hartnäckige Impf-Phobikerin entpuppt. Er selbst hatte diesen üblichen Schutz gegen Krankheiten immer für selbstverständlich gehalten und von den heftigen Auseinandersetzungen um den Sinn des Impfens bisher nicht einmal aus der Ferne gehört. Aber ein acht Wochen altes, gesundes
Baby gleich mit acht Krankheitserregern auf einmal zu infizieren, kommt auch ihm etwas übergriffig vor.

Als gestandener Dokumentarfilmer weiß Sieveking, was er zu tun hat: recherchieren. Das tut er auch. Und so zieht er los zu eingefleischten Impfgegnern und Impffreunden und Ärzten beider Seiten, spricht mit Vertretern der offiziellen Impfkommissionen und deren Abtrünnigen. Er hört zum ersten Mal von der Unterscheidung in sogenannte Lebend- und Totimpfstoffe, der von den Impfgegnern besonders verteufelten Bei­gabe von Aluminiumsalzen bei manchen Impfstoffen und vor der Öffentlichkeit verborgen gehaltenen Todesfällen. Und er lässt sich und uns die Wirkungsweise der Impfung überhaupt erklären, die er im Film mit lustigen Animationen illustriert.

Doch trotz gründlicher Recherche bleibt das Ganze widersprüchlich und lässt eindeutige Antworten nicht zu. Im Gegensatz zu anderen pseudodokumentarischen Filmen geht Sieveking mit diesen Unsicherheiten offensiv um und schafft es, auch auf der langen Strecke den offenen Fragemodus beizubehalten. Erleichtert wird ihm das sicherlich dadurch, dass die selbst von Impfempfindlichkeiten gebeutelte Mutter des Kindes mit klischeegemäßen Aussagen und hohem Hysterisierungsgrad eine ideale Sparringspartnerin abgibt.

Wirklich spannend wird es aber, als Sieveking bei der WHO in Genf auf den dänischen Forscher Peter Aaby stößt, der von seinen epidemiologischen Langzeitstudien über Säuglingssterblichkeit berichtet und den Filmemacher nach Guinea-Bissau einlädt. Das ziemlich sensationelle und ­anscheinend bisher nicht in großem Maßstab rezipierte Ergebnis dieser Forschungen bedeutet, dass ein Typ von Impfungen Babys auch gegen gar nicht beimpfte Krankheiten immunisiert, während ein anderer die ­Sterblichkeitsrate sogar erhöht. Nach Aussage des Films wurden Konsequenzen bisher etwa von der milliardenstark im Impfschutz involvierten Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung nicht gezogen. Wenn Aaby recht hat, starben in Westafrika Tausende Kinder als Versuchskaninchen in einer Art Feldversuch, während auf deutschen Spielplätzen über die Gefahr für den eigenen Nachwuchs durch Masernimpfung räsoniert wird.

Oder sind diese Behauptungen nur eine weitere Verschwörungstheorie? Die Frage ist so spannend, dass zumindest die Autorin sich in diesem Film weitere Nachforschungen gewünscht hätte. Stattdessen gibt es aber nur den nächsten dicken Batzen der auf die Dauer zunehmend nervigen und mit Vergrößerung der Familie ausufernden Home Story aus dem Sievekingschen Fa­milienleben.

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