Kritik zu Dog

© Leonine Distribution

Kriegshelden, auf den Hund gekommen: in diesem launigen Roadmovie begleitet Channing Tatum als angeschlagener Army Ranger einen kriegsversehrten Militärhund

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Mit seinen breiten Schultern und seiner strammen Haltung stellt Briggs schon optisch eine Provokation dar. Auch seiner knappen Art zu reden und seinem wachsamen Blick fehlt jede Lässigkeit. Der einstige Army Ranger passt ins zivile Leben wie die Faust aufs Auge. Jason Briggs will auch gar kein Zivilist sein und bemüht sich unermüdlich um eine erneute Verpflichtung beim Militär. Doch er leidet an PTSD – Posttraumatischer Belastungsstörung – und gilt erst einmal als dienstunfähig. Weil er dringend die Empfehlung eines Vorgesetzten braucht, übernimmt er einen besonders miesen Job: Er soll Lulu, den berühmten Militärhund eines verunglückten Kameraden, zu dessen Beerdigung fahren. Anschließend soll die belgische Schäferhündin eingeschläfert werden. Denn Lulu, die mit ihrem Herrchen in Afghanistan diente, ist traumatisiert und gilt als unberechenbare Bestie.

So beginnt ein Roadmovie, dessen Ausgang vorhersehbar ist, das aber unterwegs Überraschungen bietet. Das Unerwartete ist das Markenzeichen von Channing Tatum, der – einst Model und Stripper, dann Schauspieler – eine Bandbreite von Genres abdeckt, die von Familienkomödien über Kriegsfilme bis hin zu Steven-Soderbergh-Filmen reicht. Gekonnt spielt er hier mit dem Kontrast zwischen seinem Image kraftstrotzender Maskulinität und der mentalen Anspannung eines gebrochenen Kriegers, hinter dessen Stiernackigkeit die Verzweiflung lauert. Gemildert wird diese Aura durch den Mehrwert von Tatums Selbstironie, die ihn dazu befähigt, auch im geblümten Morgenrock mehr liebenswert als lächerlich zu wirken.

Im Drehbuch von Regisseur Reid Carolin, der bereits für die Stripperkomödie »Magic Mike« das Script schrieb, steckt viel vom stoischen Understatement eines Steven Soderbergh. Carolin bemüht sich um die indirekte Darstellung der durch Kriegseinsätze erzeugten Traumata, und er wirft Streiflichter auf ein »Amerika von unten«, in dem Stereotype durch Aha-Erlebnisse gebrochen werden. Dass Briggs auf seiner mehrtägigen Reise durch das Hipster-Mekka Oregon fährt, ist natürlich eine prima Gelegenheit, um komödiantisch die politische Spaltung in den USA aufzuspießen. Briggs spricht kein »woke«. Und wenn er in Portland Frauen aufzureißen versucht und bei deren Phrasen beflissen nickt, ist er spätestens dann unten durch, wenn er gentlemanlike die Drinks bezahlen will. So leichtherzig manche Episoden daherkommen, so gnadenlos wird in der Ablehnung, die er sogar bei Soldaten erfährt, die Tragödie vieler Veteranen enthüllt: einst Helden, nun peinliche Erinnerung an ruhmlose Kriege.

Hündin Lulu dient – wie der Herr, so's Gescherr – mit ihrem panischen Bellen und Beißen als Spiegelbild von Briggs' emotionaler Not. Doch der Film, inspiriert von der Dokumentation »War Dogs«, bezeugt auch Tatums eigene Hundeliebe, was gerade durch die dezente Art, in der sich die symbiotische Beziehung zwischen den beiden Versehrten entwickelt, spürbar wird. Und so ist die Abwesenheit von Kitsch die vielleicht angenehmste Überraschung dieses unprätentiösen Dramas.

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