Kritik zu Der Wald vor lauter Bäumen

- kein Trailer -

Maren Ades beachtliches Spielfilmdebüt

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Der langsame Absturz einer jungen Frau. Melanie Pröschle (Eva Löbau), dem Namen und dem Dialekt nach aus dem Schwäbischen, kommt mit viel Idealismus nach Karlsruhe, um sich hier als Lehrerin an einer Realschule neuen Aufgaben zuzuwenden. Sie hat eine Beziehung abgebrochen und will nun ein neues Leben beginnen. Ihre Energie lässt sie sich zunächst nicht nehmen, muss aber immer mehr Rückschläge einstecken, vor allem weil »ihre Neunte« wirklich schwierig ist. Auch privat ist Frau Pröschle auf der Suche: nach einer guten Freundin und einer Clique, der sie sich anschließen könnte.

Maren Ade zeichnet sehr genau das Bild einer optimistischen jungen Frau, die lange nichts erschüttern kann. Rückschläge steckt sie offensichtlich einfach weg, zeigt sich nie irritiert und versucht, das Gesicht zu wahren. Nur langsam stellt der Zuschauer, sozusagen zeitgleich mit Frau Pröschle, fest, dass sie der Situation nicht gewachsen ist. Sie beginnt, ihre Wohnung umzuräumen, hinterlässt aber das absolute Chaos. Sie drängt sich ihrer Nachbarin bis aufs Peinlichste auf, ohne zu merken, dass diese nichts von ihr wissen will. Und sie scheitert komplett in der Schule, nicht nur in ihrer Klasse, sondern auch bei den Kollegen.

Es gelingt der Regisseurin, den Zustand der zunehmenden Verzweiflung und Verunsicherung eindringlich und authentisch nachzuzeichnen. Dabei rutscht sie nur selten in Klischees ab, meist sind die Situationen sehr glaubwürdig inszeniert - hier konnte Maren Ade von ihren Eltern profitieren, die beide Lehrer sind. In der tragisch-komischen Inszenierung ist man der zierlichen Frau Pröschle einerseits sehr nahe, andererseits bietet sie sich aber nicht als Identifikationsfigur an. Die dokumentarische Atmosphäre des Films, die die Verwendung der Digital-Videokamera und viele improvisierte Szenen bewirken, ermöglicht es dem Zuschauer, Abstand zu wahren.

Es geht  Ade nicht darum, die Heldin bloßzustellen, die Szenen werden häufig nicht durchgespielt. Als eine Schülerin Frau Pröschle beschimpft, ihre Hausaufgaben falsch beurteilt zu haben, erfahren wir nicht, wer von beiden die Diskussion für sich entscheidet, weil die Szene plötzlich abbricht. Auch ein Disput mit einer Mutter in der Sprechstunde endet unvermittelt.

Diese Haltung den Figuren gegenüber erinnert an Michael Kliers »Farland«, in dem die wesentlichen Fragen ebenfalls unbeantwortet bleiben. Der Zuschauer muss sich selbst einen Reim drauf machen und Stellung beziehen. »Der Wald vor lauter Bäumen« protzt nicht mit einer atemberaubenden Story, sondern auf die Beobachtung einer zunehmend albtraumhaften Existenz. Und weil sie so glaubwürdig ist, erscheint sie umso verlorener und ausweglos.

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