Kritik zu Der Frosch und das Wasser

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Märchenhaft und voller Poesie erzählt Thomas Stuber in seinem Roadmovie, das bis nach Japan führt, von einer ungewöhnlichen Verbindung, die ganz ohne Sprache auskommt.

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Eine Hauptfigur, die kein Wort spricht, eine zweite, die wortkarg ist, dazu eine Geschichte, die nur bei einem sehr genauen Blick eine innere Logik ergibt und erst am Ende eine Spur von Auflösung bietet – und das über knapp zwei Stunden. Das ist schon eine Herausforderung. In Thomas Stubers »Der Frosch und das Wasser« wird diese zu einer sinnlichen Reise, die einen umspült, aufsaugt und beglückt zurücklässt – voller Zuversicht und Frieden.

Der junge Mann Stefan Busch (Aladdin Detlefsen), den alle nur Buschi nennen, lebt in einer betreuten Wohneinrichtung, liebevoll und fürsorglich vor allem von Nicole (Bettina Stucky) umsorgt. Buschi spricht nicht, und viele Abenteuer hält sein Leben auch nicht bereit – zumal er nicht einmal die beliebten Ausflüge ins Schwimmbad mitmachen darf. Er kann nicht schwimmen. Bei einem Ausflug in die Kölner Innenstadt verlässt er ohne ersichtlichen Grund die Gruppe und schließt sich einer japanischen Reisegruppe an, steigt wie selbstverständlich mit in den Bus und quetscht sich in den Sitz neben dem wortkargen, zurückhaltenden Hideo Kitamura (Kanji Tsuda). Einige der Touristen sind begeistert von dem Mann mit dem freundlichen Gesicht, andere sehen ihn als Schmarotzer, den verschlossenen Kitamura wählt Buschi zu seinem Reisebegleiter, der seine Rolle ebenso selbstverständlich annimmt. Betreuerin Nicole ist derweil in heller Aufregung und reist dem Bus über Weimar, Dresden, Ulm und schließlich in die Schweiz nach.

»Der Frosch und das Wasser« ist eine seltsame Geschichte. Warum genau Kitamura nach Europa reist, bleibt vage. Zwei Pässe hat er im Gepäck, seine alte Mutter hat ihm gesagt, dass er diese Reise unbedingt machen müsse, wohl um mit dem Verlust des jüngeren Bruders abschließen zu können, was sich irgendwann erahnen lässt. Warum es Nicole nicht gelingt, Buschi nach Köln zurückzuholen, und warum sie ihn immer wieder verpasst, entzieht sich jeder Logik. Auch warum Buschi offensichtlich sofort eine Verbindung zu Kitamura empfindet, ist objektiv wohl nicht zu erklären. Vielleicht ist es gerade das: Da sind zwei Menschen, die irgendwie verloren und in sich gefangen sind, die zueinanderfinden.

Thomas Stuber, der zusammen mit Gotthart Kuppel und Hyoe Yamamoto nach einer Idee von Kuppel auch das Drehbuch geschrieben hat, lässt alle Menschen so sein, wie sie sind: die mütterliche Nicole, den zurückhaltenden Kitamura, den stummen und sehr selbstbestimmten Buschi, selbst die freundliche Busfahrerin Frau Toprak (Meltem Kaptan) und den schnell genervten, etwas schmierigen Reiseleiter Herrn Auskamp (Cornelius Schwalm). Die geistige Beeinträchtigung Buschis wird weder beschönigt oder verniedlicht noch dramatisiert. Stuber beschreibt sie einfach, ohne zu bewerten, und das in sinnlich-meditativen Bildern. »Der Frosch und das Wasser« ist ein wunderschöner Film, der etwas Zeit braucht und dann mit voller emotionaler Wucht zuschlägt.

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