Kritik zu Das große Museum

© Real Fiction

2014
Original-Titel: 
Das große Museum
Filmstart in Deutschland: 
16.10.2014
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Johannes Holzhausen beobachtet in seinem Dokumentarfilm mit liebevoller Anteilnahme die restauratorische Arbeit im Wiener Kunsthistorischen Museum und kontrastiert sie mit den ökonomischen Zwängen eines modernen Museumsbetriebs

Bewertung: 5
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Sissi lebt! Zumindest sind die Habsburger ein Kapital, mit dem man in Österreich gerne wuchert, wenn es darum geht, sich als Tourismusattraktion zu empfehlen. Die nach zehnjährigem Umbau neu eröffnete Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien firmiert forthin als »Kaiserliche Kunstkammer«. Weshalb man für das kommende Jahr auch »Rekordeinnahmen in Höhe von 38 Millionen Euro« erwartet. Die Budgetbesprechung im Hause, in der auch die Chefworte »Das ist ein No-Go!« fallen, reißt den Zuschauer dieses Films aus der Illusion heraus, die Museumsarbeit bestehe in erster Linie im Archivieren, Konservieren, Restaurieren und in der sachgerechten Präsentation der Ausstellungsobjekte. Dabei hat der Film von Johannes Holzhausen dem Zuschauer schon in der vierten Minute einen Schock versetzt, wenn ein Arbeiter die Spitzhacke in den getäfelten Boden versenkt.

Es sind diese Kontraste, die Das grosse Museum prägen: einerseits die liebevolle Beobachtung der konservatorischen Arbeit, zunächst respektvoll aus der Distanz, dann in Nahaufnahmen, akzentuiert durch eine ganz ruhige Kameraführung, die überwiegend mit starren Tableaus oder aber mit sanften Bewegungen arbeitet. Wenn ein Restaurator, der ein Schiff mit kompliziertem Mechanismus wieder flottmacht, dabei »Scheiße, Scheiße, Scheiße« murmelt, dann bekommt der Zuschauer einen Eindruck davon, wie unsichtbar sich das Filmteam für die Mitarbeiter des Hauses im Lauf der (14-monatigen) Arbeit gemacht hat. Um deren Vertrauen zu erringen, dürfte es für Johannes Holzhausen sicherlich hilfreich gewesen sein, dass er vor seinem Studium an der Wiener Filmakademie selber Kunstgeschichte studiert hat.

Andererseits aber zeigt der Film auch den Druck, der auf einem Museum im 21. Jahrhundert lastet: In Zeiten zurückgehender staatlicher Unterstützung wird der Erfolg vorrangig an den Besucherzahlen gemessen, für die es publikums- und medienwirksamer »Events« bedarf oder eben des »Brandings« als nunmehr Kaiserlicher Kunstkammer. Das fällt hier zusammen, wenn der Film mit deren Wiedereröffnung endet. Die vorher gezeigten Arbeitsabläufe bleiben Momentaufnahmen, Das große Museum ist keine Langzeitbeobachtung, die den Zuschauer teilhaben lässt an den Resultaten von Prozessen, das verleiht dem Film bei aller Ruhe auch etwas Flüchtiges, der restauratorischen Arbeit gegen den Zahn der Zeit, gegen Käfer und Motten, etwas von einer Sisyphusarbeit. Der abschließende Schwenk über Pieter Bruegels »Turmbau zu Babel«, eines der Vorzeigeobjekte des Museums, verweist mit sanfter Ironie darauf. Zuvor enthält sich der Film jeglicher Meinungsäußerung in Form von Kommentar, Fragen oder Musikeinsatz.

Die Faszination, die von vielen der hier ausgestellten Werke ausgeht, gewinnt durch Das große Museum jedenfalls eine Dimension hinzu.

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