Kritik zu Das ewige Leben

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Jetzt ist schon wieder was passiert... Die vierte Wolf-Haas-Verfilmung lässt den ehemaligen Polizisten Brenner in die Heimat zurückkehren – Puntigam

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So richtig gutgegangen ist es dem Brenner ja noch nie in seinen Filmen. Seit er bei der Polizei weg ist, war er bei den Kreuzlrettern, hat als abgetakelter Kaufhausdetektiv eine Mordserie in Salzburg aufgeklärt und musste für seinen Freund Berti Leasinggebühren eintreiben. Aber so am Ende wie in seinem neuen Film war er noch nicht. Total abgebrannt entsinnt er sich, dass ihm sein Vater ein Haus hinterlassen hat – in Puntigam. Das ist ein Stadtteil von Graz, genauer gesagt: der 17., der in den Krimis des österreichischen Autors Wolf Haas eine fast mythische Bedeutung hat: »Der Puntigamer«, heißt es da immer über den Brenner. Aber Puntigam, wo Brenner seine Jugend verbracht hat, ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Zumindest nicht das Haus seines Vaters, in das es hineinregnet. Aber das alte Puch-Moped läuft noch. Und so macht sich der Brenner auf zu seinem Freund Köck, um sich Geld zu leihen.

Wenn jemand in einem Film in seine alte Heimat zurückkehrt, dann hat er meist noch mit seiner Vergangenheit zu kämpfen. Aber in diesem Fall lässt die Vergangenheit den Brenner nicht nur nicht los, die Schatten der Vergangenheit holen ihn nachgerade ein. Mehr als die drei Vorgängerfilme hat der neueste Brenner-Film mit dem Brenner selbst zu tun, mit einem merkwürdigen Banküberfall in seiner Zeit als Polizeischüler, mit einer Fahrt nach Jugoslawien und der freien Liebe in den Siebzigern. Nicht umsonst läuft der Eric-Burdon-Titel »When I Was Young« zu den wie in Super 8 gedrehten Szenen.

Der Brenner ist im Grunde ein Nihilist, in den Romanen wie auch in den Filmen. Aber so schlecht, dass er sich selbst eine Kugel in den Kopf jagen würde, geht es ihm auch nicht. Und als er nach einem angeblichen Selbstmordversuch im Krankenhaus erwacht, weiß er, dass er sich gegen seine Vergangenheit zur Wehr setzen muss. Der Mann, der seiner Vergangenheit nicht entkommen kann: das ist ein berühmter Topos im Film noir. Aber wahrscheinlich war das dem Trio Josef Hader/Autor Wolf Haas/Regisseur Wolfgang Murnberger, die auch den vierten Brenner-Film zusammen schrieben, so ziemlich egal. Und wer hinter dem Mord und dem vermeintlichen Selbstmord Brenners steckt, das ahnen wir Zuschauer auch schon sehr bald.

Eigentlich ist dieser vierte, wieder pechschwarze Brenner-Film so etwas wie der Ausgangs- und Endpunkt der Lebensodyssee des Puntigamers. Gewissermaßen das Schlüsselwerk. Tiefer kann es für ihn nun auch nicht mehr gehen. Mit dem Brenner rebelliert ja auch immer der österreichische Underdog. Josef Hader, der in seinen Filmen viel melancholischer wirkt, als wenn er mit einem Programm auf der Bühne steht, gibt den Brenner einmal mehr als einen, der nicht recht glauben kann, was er sieht. Dass die Berlinale Das ewige Leben nicht, wie den Knochenmann, ins Programm aufnehmen wollte, grenzt schon an kulturelle Ignoranz. Sollen sie doch mit Fifty Shades of Grey glücklich werden.

... zum Interview mit Josef Hader

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