Kritik zu Crazy Rich

© Warner Bros. Pictures

Eine RomCom, wie man sie heute kaum mehr macht: Jon M. Chu hat den Bestseller von Kevin Kwan verfilmt – mit einem gesamt-asiatischen Ensemble

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Es ist keine neue Erkenntnis, dass im US-Kino die Schere zwischen ultrateuren Franchise-Folgen auf der einen und günstigeren Produktionen (seien das dann Independent-Filme oder Horror-Schnellschüsse) immer weiter aufgeht. Für alles dazwischen gibt es kaum mehr Mittel. All das ist seit Jahren Thema, doch worüber eher selten gesprochen wird, ist die Tatsache, dass durch diese Entwicklung ganze Genres von den Leinwänden verschwinden. Klassische Psychothriller? Romantische Komödien? Alles nicht mehr angesagt. Und wie so oft merkt man erst, was man an ihnen hatte, seit sie nicht mehr zu sehen sind.

Da kommt nun »Crazy Rich« – eine waschechte Studioproduktion – gerade recht, die genau deswegen so gut unterhält, weil sie sich ganz dezidiert jener Konventionen bedient, mit denen Hollywood nicht zuletzt in den 90er Jahren unser Bild von der Liebe prägte. Regisseur John M. Chu (verantwortlich für so unterschiedliche Filme wie »G.I. Joe – Die Abrechnung«, »Justin Bieber's Believe« oder »Die Unfassbaren 2«) hat den Bestseller von Kevin Kwan verfilmt, dessen Geschichte eigentlich eher überraschungsarm verläuft: Rachel Chu (Constance Wu), eine chinesischstämmige Professorin in New York, begleitet ihren ­Lebensgefährten Nick Young (Henry ­Golding) zu einer Hochzeit in seiner Heimat Singapur. Erst auf dem Weg dahin ­realisiert sie, aus welch reichem Elternhaus er stammt. Dass der Klassenunterschied und natürlich auch ihre amerikanische Herkunft – nicht zuletzt dank seiner ­dominanten Mutter (Michelle Yeoh) – die Beziehung bald auf eine harte Probe stellen werden, versteht sich in diesem Genre von selbst.

Wie in allen gelungenen Vertretern der Gattung geht es auch bei »Crazy Rich« ­weniger darum, was erzählt wird, sondern wie. Chu und seinen Drehbuchautoren Adele Lim und Peter Chiarelli gelingt es ­aller Vorhersehbarkeit zum Trotz, ihren Plot unglaublich schwungvoll voran­zutreiben, mit viel Humor, aber der richtigen Portion Rührung. Visuell schwelgt der Film dabei in üppigstem Hochglanzluxus und Singapur-Aufnahmen, die jede Tourismusbehörde vor Neid erblassen ließe.

Eine gewisse Oberflächlichkeit lässt sich hier also nicht absprechen, doch die passt nicht nur zum ­Zynismus-fernen Genre, sondern wird auch durch das Ensemble unterwandert. Dass sämtliche Rollen mit asiatischstämmigen Schauspielern besetzt sind (was der deutsche Titel anders als das Original vorsorglich verschweigt), ist für das Anliegen der Repräsentation bahnbrechend, und das Setting öffnet das Feld für genüsslich zu melkende Klischees wie kulturelle Spezifika ­gleichermaßen. Die wahre Entdeckung des Films aber ist der umwerfende Charme, den ­Constance Wu hier als pragmatisch-bodenständige Protagonistin entwickelt. Rapperin Awkwafina (»Ocean's 8«) als komödiantischer Sidekick ist dazu die perfekte Ergänzung. So macht »Crazy Rich« hinreißend viel Spaß – und ­beweist, dass in Sachen RomComs noch nicht alles verloren ist.

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