Kritik zu The Company You Keep – Die Akte Grant

© Concorde

2013
Original-Titel: 
The Company You Keep
Filmstart in Deutschland: 
25.07.2013
B: 
S: 
Musik: 
L: 
122 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Robert Redford führte Regie und spielt die Hauptrolle in diesem milden Politthriller um einen Anwalt, der von seiner Vergangenheit als Mitglied der linksradikalen »Weather Underground Organisation« eingeholt wird

Bewertung: 3
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 1)

Dass in diesem Film noch einmal ein Zeitungsreporter im Zuge hartnäckiger Recherchen verschüttete Wahrheiten enthüllt, darf als hemmungslos nostalgische Drehbuch­idee gelten. Bekanntlich sieht es keineswegs rosig aus für den Printjournalismus, das weiß natürlich auch Robert Redford und versäumt es nicht, immer wieder darauf anzuspielen. Und dieser Reporter, Ben Shepard (Shia La­Beouf), ist ja auch kein »Unbestechlicher« wie einst Redford und Dustin Hoffman in Alan J. Pakulas Watergate Klassiker aus den 70ern,sondern ein moralisch indifferenter, nerdiger Typ, dem sein Reporterruhm über alles geht.

Was waren das dagegen noch Zeiten, als die Jugend gegen den Krieg in Vietnam auf die Straße ging und die Karriere das Letzte war, an das man im Furor des Idealismus’ denken konnte. The Company You Keep erinnert an diese Zeit, mit viel Wehmut, aber doch auch aus »erwachsener Distanz«.

Für die Generation Facebook, falls sie sich diesen Film überhaupt ansieht, werden am Anfang in einer Mischung aus echten Archivbildern und gestellten Szenen die Hintergründe der Geschichte erklärt. Die sogenannte Weather Underground Organisation war eine linksextreme militante Untergrundbewegung, die in den USA Ende der 60er bis in die 70er Jahre u.a. mit Bombenanschlägen gegen den Vietnamkrieg protestierte. Angeblich – hier beginnt in The Company You Keep die Filmfiktion – wurde auch eine Bank überfallen und dabei ein Wachmann getötet. Als eine der Bankräuberinnen, Sharon Solarz (Susan Sarandon), verhaftet wird, führen die Recherchen des Lokaljournalisten Shepard auch zur Entlarvung von Jim Grant. Redford spielt ihn, einen angesehenen Bürgerrechtsanwalt und alleinerziehenden Vater einer elfjährigen Tochter, der nach Jahrzehnten einer bürgerlichen Existenz plötzlich untertauchen muss.Seine Flucht, deren Tempo und Actiongehalt dem Alter des Protagonisten angemessen ist, führt ihn zu seinen ehemaligen Komplizen.

Die Idealisten von einst werden von einem All-Star-Ensemble verkörpert: Neben Susan Sarandon, deren Auftritt als immer noch feurige Weltverbesserin zu den Höhepunkten des Films zählt, unter anderem Nick Nolte, Richard Jenkins und Julie Christie, die Grants Exgeliebte Mimi spielt. Die ehemaligen Untergrundkämpfer sind jetzt Biobauern, sie handeln mit Haschisch oder Schrottautos oder versuchen als Universitätsprofessoren, die Generation Facebook von den Möglichkeiten weltverändernden Handelns zu überzeugen. Mit diesen Lebensentwürfen werden auch einige Möglichkeiten, den Idealismus von einst fortzuführen, durchdekliniert.

Anders als in deutschen Filmen zum Thema führt der politische Konflikt hier aber nie zum Krieg der Generationen. Grants süße Tochter darf ein wenig zweifeln an ihrem Dad, schmiegt am Ende aber doch wieder vertrauensvoll ihre Hand in seine. Und auch das zweite Kind, das von seinen Eltern, die im Untergrund agierten, verlassen wurde, wird nicht zum Zeugen der Anklage. Am Ende suggeriert der Film sogar eine Art Schlussstrich: dass das Ganze endgültig aufgeklärt und somit Geschichte sei. Das dürften nicht nur die echten Opfer und Täter anders sehen.

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