Kritik zu Celebration

OmU © Salzgeber

Olivier Meyrou zeigt in seiner bereits vor 20 Jahren gedrehten, aber lange ­zurückgehaltenen Dokumentation den Modeschöpfer Yves Saint Laurent als geradezu unscheinbaren Mann mit nervösen Ticks

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Was wird hier eigentlich gefeiert? Vom Glamour des Modegeschäfts ist jedenfalls wenig zu spüren. Yves Saint Laurent ist in körnigen Schwarz-Weiß-Bildern am Zeichentisch zu sehen, einen anskizzierten Entwurf vor sich, einen Bleistift in der Hand, der man das Nachdenken ansieht, ohne das Gesicht des Modeschöpfers im Blick zu haben. Jetzt erwartet man einen Geniestreich, eine Eingebung, einen kühnen Strich, stattdessen eine zögerliche, fast zittrige Hand, die lange innehält, bevor sie ein, zwei Striche zieht, die nicht viel hermachen.

Im Jahr 1998 bereitet der letzte der großen Modeschöpfer, deren Namen die Modehäuser noch definierten, seine letzte Kollektion vor, bevor er sein Imperium im nächsten Jahr an Gucci verkaufte, und Olivier Meyrou ist mit der Kamera dabei. Doch was er sieht, ist kein kapriziöses Genie, sondern ein geradezu unscheinbarer Mann, dessen Erscheinung von Öffentlichkeitsscheu und Altersspuren gebremst ist, mit lauter kleinen nervösen Ticks in der Mimik und den Bewegungen. Die Zeiten, in denen er die Modewelt und das Frauenbild mit seinen Entwürfen geprägt hat, mit seinen eleganten, weich fallenden Hosenanzügen, den gerade geschnittenen Cocktailkleidern mit Mondrian- und Op-Art Designs und dem Nude Look, sind da schon längst vorbei.

Der Film zelebriert diesen Ruhm nicht, setzt ihn als Allgemeinbildung voraus, nur hier und da streift die Kamera beiläufig ­einige der ikonischen Entwürfe. Olivier ­Meyrou klinkt sich ein in einen Reigen aus Feierlichkeiten zu Ehren des Lebenswerks von Yves Saint Laurent, den sein langjähriger Lebens- und Arbeitsgefährte Pierre ­Bergé orchestriert hat. Im Kontrast zu dem unscheinbaren Modeschöpfer wirkt der ­etwas jüngere Bergé wie ein Feldwebel, der das wuselnde Modechaos resolut, gelegentlich cholerisch aufbrausend organisiert, den Meister beschützend, aber auch gängelnd und dominierend. Neben Bergé als Verwalter des öffentlichen Bildes von Saint Laurent hatte Meyrou als Regisseur der Dokumentation wenig Spielraum, was letztlich auch dazu führte, dass der bereits vor zwanzig Jahren gedrehte Film erst nach dem Tod von Bergé gezeigt werden kann. Reflexe des Films lassen sich allerdings in Bertrand Bonellos Biopic »Saint Laurent« und in Paul Thomas Andersons fiktivem Modeschöpfer in »Der ­seidene Faden« finden, beide Regisseure sollen den Film vorab gesehen haben.

Hat man sich erst mal damit abgefunden, wie diskret, geradezu unscheinbar Saint Laurent hier auftritt, wird der Platz frei für all jene, die sonst im Schatten des großen Meisters emsig schneiden, stecken, sticken und nähen. Zwei von ihnen durchstreifen die leeren Räume des Pariser Modehauses, und wenn sie in Erinnerungen schwelgen, dann füllen sich die heiligen Hallen noch einmal mit den Schatten der einstigen Betriebsamkeit. Und wenn sie erzählen, wie man damals vor der mit schwarzem ­Leder gepolsterten Tür warten musste, dann spricht daraus ebenso Ehrfurcht und Bewunderung wie Rücksicht auf seine fragile Erscheinung.

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