Kritik zu Cash Truck

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Guy Ritchie adaptiert Nicolas Boukhriefs Thriller mit Jason Statham in der Hauptrolle neu – als düstere Modernisierung des Film noir, der die Welt als Höllenpfuhl zeigt

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Niemand weiß, was den Briten Patrick Hill zu der Sicherheitsfirma Fortico in Los Angeles geführt hat. Von Anfang an ist er, den sie nur H nennen, ein Rätsel für seine Kollegen, die in den Fortico-Geldtransportern Tag für Tag Millionenbeträge durch die Stadt fahren und immer mit der Gefahr leben, überfallen zu werden. Er hat keine Geschichte, aber dafür allem Anschein nach eine düstere Vergangenheit. Die schwingt in jedem seiner alle ständig taxierenden Blicke und in seiner lauernden Haltung mit. Einer seiner Kollegen nennt ihn einmal »a dark spirit«, einen dunklen Geist oder auch ein dunkles, also bedrohliches Gespenst und kommt damit der Wahrheit wahrscheinlich ziemlich nah.

Vordergründig ist Guy Ritchies »Cash Truck« ein Remake des gleichnamigen französischen Thrillers von Nicolas Boukhrief. Doch letztlich liegen seine Wurzeln eher im US-amerikanischen Kino bei den Filmen, die Clint Eastwood in den 70er Jahren gedreht hat. H, den Jason Statham mit stoischer Konzentration spielt, ist ein Nachfahr des »Manns ohne Namen«, den Clint Eastwood einst im gleichnamigen Western verkörpert hat. Der ließ die kleine Stadt, in die er aus dem Nichts gekommen ist, rot anstreichen und in »Hell« umbenennen. Zu derart symbolisch aufgeladenen Handlungen lässt sich H nicht hinreißen. Das ist auch gar nicht notwendig. Denn die Hölle scheint ihm auf den Fuß zu folgen.

In der Vergangenheit hat Guy Ritchie seine Geschichten von großen Gangstern und kleinen Ganoven meist mit einem ironischen Gestus erzählt. Seine Filme zeugten immer von einem Regisseur, der dem Publikum zuzwinkert und ihm so versichert, das ist alles nur ein großes Spiel. Doch davon kann bei »Cash Truck« nicht die Rede sein. Mit seinen vier Kapiteln, die nicht chronologisch aufeinanderfolgen, sondern die Geschichte um die Folgen eines brutalen Überfalls auf einen Geldtransporter um immer neue Perspektiven erweitern, folgt er den zersplitterten Dramaturgien seiner früheren Filme. Nur verzichtet Ritchie diesmal auf jede ironische Brechung.

Es gibt hier nichts zu lachen. Selbst die pointierten Dialoge des ersten Kapitels, in denen sich die Fortico-Wachleute auf eine scheinbar spielerische Weise gegenseitig beleidigen, haben einen dunklen Unterton. Sie bereiten den Boden für alles, was schließlich noch passieren wird. Die menschlichen Abgründe, die sich in diesen Wortwechseln andeuten, werden mit jeder weiteren Wendung der Ereignisse immer offensichtlicher. Mit einer überwältigenden Klarheit und Direktheit malt Ritchie ein filmisches Höllengemälde, in dem niemand wirklich frei von Schuld ist. Es gibt in »Cash Truck« niemanden, mit dem man offen sympathisieren würde. Dafür ist viel zu offensichtlich, dass fast alle Figuren des Films unter entsprechenden Umständen zu weit gehen würden, vor allem natürlich Stathams H. Er übt eine ungeheure Faszination aus. Man kann seinen Blick nicht von ihm abwenden. Aber es ist die Faszination eines Mannes, der etwas Gespenstisches hat und vielleicht sogar der Teufel selbst sein könnte.

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