Kritik zu Cadillac Records

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Shake your hips baby: die Geburtsstunde von Rhythm & Blues und Rock'n'Roll im Chicago der fünfziger Jahre

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»Cadillac Records« erzählt von einer musikalischen, popkulturellen und gesellschaftlichen Revolution, bei der den Protagonisten gar nicht klar war, was sie in Gang setzten. Die Story beginnt 1949, wenn Blues-Barde Muddy Waters (Jeffrey Wright) aus Mississippi nach Chicago kommt, seine Gitarre an einen Verstärker anschließt, mit dem jungen, wilden Mundharmonikaspieler Little Walter (Columbus Short) eine chaotische Band formt, und von Leonard Chess (Adrien Brody) entdeckt wird.

Leonard ist polnischer Immigrant, Nachtclubbesitzer und hat einen Riecher dafür, dass »Race Music« (so wurde die Musik der Schwarzen damals in den USA genannt) eine Goldgrube werden könnte. Er gründet das Label Chess Records, stürmt mit Songs von Muddy Waters und Little Walter die Charts und feiert kometenhafte Erfolge, als er noch Howlin' Wolf, Etta James und Chuck Berry unter Vertrag nimmt. Seinen Künstlern spendiert er bei jedem Hit einen Cadillac, aber in die Abrechnungen lässt er sich nicht so gerne schauen.

Musikkenner werden »Cadillac Records« allerlei sachliche Fehler und Auslassungen nachweisen können. Man mag dem Film auch vorwerfen, dass er dramaturgisch nicht durchkomponiert ist, sondern eher wie eine Nummernrevue daherkommt. Aber: Regisseurin Darnell Martin entwirft wunderbare Porträts. Besonders eindrucksvoll: Mos Def als gewitzter Chuck Berry, Eamonn Walker als hünenhaft-vulkanischer Howlin' Wolf, und Beyoncé Knowles als fragile Soul-Diva Etta James. Der Film bietet die Wahrheiten, auf die es ankommt: wie sich die musikalischen Stile wandeln (vom Blues zum Rock'n'Roll), wie die Musik der Schwarzen von weißen Musikern adaptiert (auch ausgebeutet und geglättet) wird, wie sie sich als Treibstoff eines kulturellen und gesellschaftlichen Wandels erweist. Natürlich sollte ein Effekt des Films sein, dass man sich die Originalversionen der Chess-Records- Titel beschafft. Aber die von den Darstellern selbst gesungenen Cover-Versionen sind erstaunlich gut gelungen. Die Musik hält »Cadillac Records« zusammen.

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