Kritik zu In Berlin

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Die Bilder zur Imagekampagne: Michael Ballhaus und Ciro Cappellari haben einen als Dokumentation getarnten Werbefilm für die Hauptstadt gedreht

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Man könnte vor der Vorführung von »In Berlin« auch einen Aufkleber verteilen: »sei einzigartig, sei vielfältig, sei Berlin«. Der Zuschauer hätte die komplette Botschaft empfangen und könnte nach Hause gehen. Ballhaus' und Cappellaris Film ist nämlich Teil der Imagekampagne »be Berlin«, die das Bild der Stadt in aller Welt aufhübschen soll.

Man kann natürlich auch bleiben und studieren, wie über die Filmförderung finanzierte Propaganda funktioniert. Anders als in Zeiten des Totalitarismus wird nicht mehr mit Feind- und Selbstbildern gearbeitet, sondern eine Vielfältigkeit beschworen, die in Miniporträts von Berlinern durchdekliniert wird. Verbindende Elemente sind die Liebe zur Stadt, Partizipation an einer ständig beschworenen, aber nie erklärten Hipness und Erfolg bei der Besetzung einer Nische. Man darf Klaus Wowereit dabei zusehen, wie er mit seinem Freund Blumen kaufen geht, und Frank-Walter Steinmeier beim Flug in einer bundesrepublikanischen Mini-Ausgabe der Airforce One und der Eröffnung eines Events zusehen, wo ihm die Künstlerin Danielle de Picciotto erklärt, was ein VJ macht. Die Nähe von Politik und Kultur wird im Film häufig suggeriert, wobei Kultur für Ballhaus und Cappellari das ist, was sich auf dem Markt durchgesetzt hat. Ob Designerinnen ihre Mode präsentieren oder Architekten Ideen für die Nutzung des Berliner Schlossplatzes erläutern, immer geht es um repräsentativ gewordene Erfolgsmodelle, niemals ums Scheitern oder gar um Widersprüche zur herrschenden Kulturpolitik.

Auch die Bildgestaltung der renommierten Kameramänner Ballhaus und Cappellari ist ganz dem Promotionzweck untergeordnet. Meist sieht man die Protagonisten an den Orten ihres Wirkens, wie sie ihren Werbetext über die »vielfältigen Möglichkeiten« Berlins aufsagen. Wenn es doch mal spannend wird, etwa wenn der Raumforscher Dimitri Hegemann über die akustischen Potenziale eines ehemaligen Heizkraftwerkes spricht, ist der Auftritt auch schon vorbei. Zeit für Details, die das Gesamtbild stören könnten, bleibt nicht.

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