Kritik zu Auf der anderen Seite des Bettes

© Movienet

In Frankreich war die Komödie ein Kassenknüller: Sophie Marceau und Dany Boon beim Rollentausch

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Das Lamento über die Missachtung der Hausarbeit durch den Mann ist vermutlich einer der ältesten weiblichen Klagegesänge; der Geschlechtertausch zur gegenseitigen Belehrung andererseits bildet ein beliebtes Thema von Komödien, oft mit dem Hintersinn, Rollenverständnis und gesellschaftliche Geschlechtsidentitäten zu hinterfragen.

Pascale Pouzadouxs Ehekomödie »Auf der anderen Seite des Bettes« verknüpft beide Elemente zu einem Plot, der an die seligen Tage Doris Days erinnert: Ariane ist eine junge Gattin und Mutter aus dem französischen Mittelstand, die über ihrem Alltag eines Tages den großen Rappel kriegt und ihren nörgelnden Mann erst mit einem Kinnhaken zu Boden schlägt und ihm dann einen Rollentausch vorschlägt. Sie macht an seiner Stelle seinen Job bei einem Baumaschinenverleih. Er kümmert sich um Kinder, das Befüllen des Kühlschranks und die restliche Hausarbeit. Er sagt zu, auch, weil er sich eine ruhige Zeit verspricht. Dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

Es ist zu vermuten, dass der nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Alix Girod de l'Ain im Stil einer amerikanischen TV-Serie erzählte Film vor allem als Vehikel dient, um seine beiden Stardarsteller Sophie Marceau und Dany Boon (»Willkommen bei den Sch'tis«) gemeinsam in einem Plot unterzubringen. Sie machen ihre Sache mit Bravour, auch der Rest des Casts agiert auf hohem Niveau. Geschnitten ist der Film rasant, das Produktionsdesign hat rund um die lindgrüne Küche der Familie eine opulente Sammlung pastellbunter Möbel zusammengetragen. Das sieht hübsch aus – und macht gleich klar, dass mit Realismus nicht zu rechnen ist. So ist es in Hugos Firma gar kein Problem, dass statt des Chefs die Gattin zum Dienst erscheint. Die verschafft sich mit ein paar markigen Gesten und einer guten Geschäftsidee bei den Kollegen Respekt. Hugo übt sich mit zunehmender Lust im Kinderhüten und als Vertreter für die Modeschmuck-Linie seiner Frau.

Bagger und Schmuck, bunte Wohnhöhle und stahlkühle Arbeitswelt: natürlich gehört es zum Genre, die Geschlechterpolarität zu dramatisieren. Nur dass das hier nicht satirisch geschieht, sondern in ganz affirmativem Sinn: Beim Autofahren stellt Ariane sich an wie eine Debütantin. Hugo kann »Fuchsia« nicht von »Altrosa« unterscheiden. Und den armen Sohn macht der Rollentausch seiner Eltern so psychopathisch, dass er anfängt, die Wände des Klassenzimmers mit Sexualsymbolen zu beschmieren.

Es gibt einzelne Momente wie diesen, die man auch als böse Attacke auf Geschlechterklischees lesen könnte. Doch schnell wird klar, dass das so keinesfalls gemeint ist. Am Ende ist die Botschaft des Films eindeutig – und reaktionär: Versuch bloß nicht, dich gegen die Natur aufzulehnen, es wird böse enden. Das klingt ein halbes Jahrhundert nach Simone de Beauvoir schon ziemlich altbacken. Arianes Mutter im Film ist eine verbitterte Feministin. Kommt jetzt der Rollback der Töchter?

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