Kritik zu Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

© Warner Bros. Pictures

Anekdotisch anrührend verfilmt Simon Verhoeven den autobiografischen Roman von Joachim Meyerhoff – mit einem sehr überzeugenden Bruno Alexander.

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Einen Bestseller zu verfilmen, der ein skurriles Leben beschreibt, der mit feinem Humor, leicht und doch tiefgründig erzählt ist, scheint ein Erfolgsgarant. Noch dazu, wenn man einen prominenten Cast gewinnt und das Ganze in der näheren Vergangenheit spielt, so dass die Generation Golf in Nostalgie schwelgen kann. Sonja Heiss war das bereits mit Joachim Meyerhoffs autobiografischem Roman »Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war« gelungen. Unterhaltsam war diese Verfilmung, üppig mit 1970er-Jahre-Devotionalien ausgestattet, nur manchmal etwas zu sehr an der Oberfläche haftend. Regisseur und Drehbuchautor Simon Verhoeven hat sich nun den dritten Teil des Romanzyklus von Meyerhoff vorgenommen – und inszeniert ihn so leichtfüßig, wie die Vorlage erzählt ist.

Unmittelbar nach der Beerdigung seines älteren Bruders, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, teilt Joachim (Bruno Alexander) seinen Eltern (wie schon im Vorgänger: Laura Tonke und Devid Striesow) mit, dass er sich an der Otto-Falckenberg-Schule in München bewerben will.  Praktischerweise leben seine geliebten Großeltern in München. Die Großmutter (Senta Berger) ist die Schauspielerin Inge Birkmann. Sie hat das Drama, den großen Auftritt für ihr Leben adaptiert, ist dabei amüsant-schrullig. Der Opa (Michael Wittenborn) ist der Philosoph Hermann Krings: klug, ein wenig verschroben, liebenswert. Gemeinsam führen sie in einer herrschaftlichen Villa einen ritualisierten, exzentrischen Alltag mit Champagner zum Frühstück. Das war schon immer so, wie sich Joachim in Rückblicken erinnert.

Das Leben zwischen Treppenlift und abendlicher Whiskey-Stunde ist das krasse Gegenteil zu der Schauspielschule, wo Joachim tatsächlich angenommen wird und sich ebenfalls schwertut. Er ist lieber der Beobachter als der extrovertierte Akteur. Absurd sind so manche Schauspielübungen, von denen sich Joachim einigen verweigert, was sie nicht weniger komisch macht.

Bruno Alexander, der seine ersten Rollen in der Kinderserie »Pfefferkörner« spielte und spätestens mit der Improserie »Die Discounter« einem breiten Publikum bekannt wurde, füllt die Rolle grandios und überraschend nuanciert. Senta Berger, Verhoevens Mutter, scheint die divenhafte Inge auf den Leib geschrieben zu sein, gleiches gilt für Michael Wittenborn. In den Nebenrollen sind unter anderem Karoline Herfurth, Tom Schilling, Anne Ratte-Polle, Friedrich von Thun, Johann von Bülow, Victoria Trauttmansdorff und Dana Herfurth zu sehen.

Nicht immer hält sich Verhoeven an die Romanvorlage; Anekdoten weiß er charmant zu inszenieren, was manchmal auf Kosten der Tiefe geht. Geschickt fängt er die Rituale der Großeltern in den immer gleichen Einstellungen ein, ist mit der Kamera ganz nah an den Gesichtern besonders von Bruno Alexander. Dabei sind auch die schmerzlichen Szenen in bunte, fröhliche Farben getaucht. Ein wenig ist das alles, wie der Roman, eine Nabelschau. Die aber ist sehr hübsch, unterhaltsam und berührend anzusehen. 

Meinung zum Thema

Kommentare

Zwei historische Fehler:
Das Zitat „Die Erinnerung…“ ist von Jean Paul, nicht von Dietrich Bonhoeffer
Mit zwei Groschen konnte man in der alten Zeit nicht ein so langes Ferngespräch führen: die Münzen rutschten durch und Ende des Gesprächs

In Deutschland gab es meines Wissens vor der Euro-Einführung überhaupt keine Groschen. Die Untereinheit der DM waren die Pfennige. Da hätte der Film in Österreich spielen müssen.

Groschen nennt man die zehn Pfennig Stücke. Und im Film würden 2 DM eingeworfen.

Ein sehr humorvoller und amüsanter Film ! Total gut gelungen! Doch frage ich mich, soll es in den 70. Jahren spielen ? Nach den Fahrzeugen und Einrichtung zu sehen, ja! Tolle Erinnerungen kommen da hoch!! Parallele zu meiner Familie!! Herzlichen Glückwunsch allen Schauspielern , besonders Senta Berger!! Und gute Besserung

Nein, der vorherige Film spielt in den 70ern. Dieser zehn bis 15 Jahre später.

Die Rezension beschreibt es schon ganz gut: Die Bücher von Meyerhoff sind allesamt leicht, aber gerade dieses ist auch berührend, skurril und man schaut hier am besten in den Schauspieler Meyerhoff hinein (erinnere mich am besten daran, dass er erstmals sich richtig als Schauspieler fühlt, als er bei einer Kostümauktion als große Frau auftritt).
Leider scheint - wie schon in der ersten Verfilmung - dies zum Ergebnis zu haben, dass auch die Filme dann halt leicht und nett sind. Es traut sich keiner, hier mal einen Schritt weiter zu gehen. So bleiben dies eher Filme, die man anschaut, weil man das Buch toll fand - aber sie fügen nichts hinzu.
Leider ist dies im deutschen Kino in den letzten Jahren (gerade bei Verhoeven, Hausmann, Dagtekin etc.) so eingerissen: ein netter, humorvoller Film nach dem anderen, kaum Tiefgang, wenig Anspruch. Man geht gut unterhalten aus dem Kino raus, hat den Film dann aber in wenigen Tagen vergessen.

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