Kritik zu 47 Ronin

© Universal Pictures

2013
Original-Titel: 
47 Ronin
Filmstart in Deutschland: 
30.01.2014
L: 
119 Min
FSK: 
12

In diesem uninspirierten Fantasy-Spektakel um heroische Samurai muss Keanu Reeves als verfemter Schwertkämpfer über die Klinge springen

Bewertung: 2
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Früher waren es nur sieben, doch jetzt ziehen 47 Samurai ihr Schwert. Entsprechend unübersichtlich geht es zu in 47 Ronin, dieser Mischung aus Eastern und Fantasyspektakel, mit der Keanu Reeves zum Actiongenre zurückkehrt. Die mehrfach schon fürs Kino aufgegriffene Geschichte, eigentlich ein japanischer Mythos aus dem 18. Jahrhundert, wurde in eine diffuse Vorzeit versetzt, in der noch feuerspeiende Drachen und Magierinnen die dichten Wälder Nippons unsicher machen. Eine solche Zauberin verhext den aufrechten Fürsten Asano, der daraufhin einer Trugwahrnehmung erliegt und sein Schwert gegen einen unbewaffneten Gast erhebt. Gemäß den strengen Sitten bleibt ihm nach dieser Verfehlung nur der rituelle Selbstmord. Aufgrund der Sippenhaft sind dadurch auch seine treu ergebenen Krieger keine Samurai mehr, sondern Vogelfreie, sogenannte Ronin.

Der von Ridley Scott protegierte Werbefilmer Carl Rinsch erzählt in seinem Debütfilm vom Schicksal dieser Krieger, die zwar real lebendig, aber aus dem sozialen Leben ausgeschlossen, mithin symbolisch tot sind. Ihre Rehabilitation erfordert eine Mission Impossible, die diese Bezeichnung verdient: So müssen die zahlenmäßig hoffnungslos Unterlegenen nicht nur gegen eine Übermacht bestehen. Gemäß dem in der damaligen japanischen Kultur verwurzelten Ehrbegriff wartet auf die Kämpfer selbst im Fall ihres Obsiegens der rituelle Gruppenselbstmord.

Diese absurd erscheinende Form von Tragik, dem westlichen Zuschauer noch am ehesten aus Kleists Drama »Der Prinz von Homburg« bekannt, vermittelt sich in Carl Rinschs exotischem Schlachtengemälde leider überhaupt nicht. Zwar sind die Rollen fast ausschließlich mit japanischen Stars besetzt, doch bleiben die Figuren so holzschnittartig, dass einen die Chronik ihres angekündigten Todes kaltlässt. Das Fernöstliche ist nur eine Anmutung, denn der Film ist zugeschnitten auf die westliche Figur eines Mischlings, eines Außenseiters unter Außenseitern, der am Ende melodramatisch auf die Frau verzichten muss. Das geht einem aber nicht besonders nahe, denn zwischen dem bärtigen ­Keanu Reeves und seiner großen Liebe Mika (Ko Shibasaki) funkt es ungefähr so hell wie in einer alten 5-Watt-Glühbirne.

Die fade Darstellung könnte man als Bemühen um Authentizität in asiatischer Zurückhaltung interpretieren. In diesem Sinn ist das Geschehen authentisch langatmig, denn auch bei der Choreographie der Kampf­szenen und der Ausstattung setzt die schätzungsweise 175 Millionen Dollar teure Produktion keine nennenswerten Akzente. Der in Budapest und London gedrehte Film sieht, von einigen imposanten Bauten abgesehen, in vielen Szenen aus wie eine Studioproduktion mit gemalten Hintergründen. Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch, ein typisch japanisches Motiv zu verfilmen, und dem künstlich erscheinenden Postkarten-Flair erklärt vielleicht die Zurückhaltung des Publikums.

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