Kritik zu Die Prüfung
Dokumentarfilm über die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Hannover, dessen Schwerpunkt auf den Mitgliedern der Prüfungskommission liegt
»687 Bewerber, 10 Plätze, 9 Dozenten, 10 Tage – höchste Anspannung bei allen Beteiligten.« Schon die ersten beiden Posten in dieser tagline für den Film würden genügen, um das Interesse des Zuschauers zu mobilisieren. In dem Dokumentarfilm von Till Harms geht es allerdings weniger um die Bewerber (in diesem Fall für einen Platz an der staatlichen Schauspielschule Hannover) als um die Mitglieder der Prüfungskommission, die über deren Annahme bzw. Ablehnung entscheiden – und damit um die Frage, wie man das Talent eines Bewerbers erkennen kann. Gibt es dafür objektive Kriterien oder sind es eher Bauchgefühle, auf die die Dozenten sich dabei verlassen? Stehen sie zu ihrer Subjektivität oder kaschieren sie diese mit theoretischen Konstrukten?
Matthias Brandt, Katharina Schüttler und Susanne Wolff gehören zu den Absolventen der Abteilung Schauspiel an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, die sich zugutehält, ihre Absolventen erfolgreich an Theater vermitteln zu können. Jedenfalls steigen die Bewerberzahlen von Jahr zu Jahr. Für Regisseur Till Harms bedurfte es nach eigener Aussage drei Jahre Vorarbeit, bis er das erste Mal mit der Kamera bei einer Abschlussdiskussion der Prüfungskommission dabei sein durfte. Der Aufwand hat sich gelohnt.
Der Film protokolliert die verschiedenen Runden der Prüfungsgespräche und zeigt die Verschiedenheit der Dozenten und Dozentinnen, ihre sehr unterschiedlichen Temperamente – der eine treibt eine Bewerberin sehr direkt an, stärker aus sich herauszugehen, eine andere stellt Fragen und versucht dadurch, eine Bewerberin zum Hinterfragen ihrer Spielweise zu veranlassen. Bei aller Unterschiedlichkeit ist allen allerdings die Empathie anzumerken, wozu auch gehört, dass es ihnen nicht immer leichtfällt, für abgelehnte Kandidaten die richtigen Worte zu finden.
Gefilmt mit mehreren Kameras, die sowohl das Vorsprechen der Bewerber als auch die Reaktionen der Prüfer darauf im Bild festhalten, erlaubt der Film dem Zuschauer, die Argumentationen der Prüfer nachzuvollziehen und die sich zwischen ihnen entwickelnde Gruppendynamik mitzuerleben. Die leidenschaftlich geführten Diskussionen enden meist mit einem Konsens, manchmal aber auch mit Mehrheitsvoten, gegen die einzelne der Prüfer ihre konträre Sicht ebenso engagiert verteidigen.
Die Nichtangenommenen können sich mit der Unterschiedlichkeit der Ausbildungsstätten in Deutschland trösten – ein Kandidat, der nicht hierher passt, kann durchaus an einer anderen Schule Erfolg haben. Die Geschichten von später berühmten Künstlern, die bei einer Aufnahmeprüfung scheiterten, sind bekanntlich legendär. Andererseits: Wer Talent hat, wird sich am Ende durchsetzen, das ist zumindest die Überzeugung der Prüfer.
Man muss, auch als Filminteressierter, den Berufsstand des Schauspielers mit all seinen Eitelkeiten nicht unbedingt lieben, um an dem Film von Till Harms Gefallen zu finden. Das ist kein geringes Kompliment.




Kommentare
Wer kritisiert die Prüfer/-innen?
Leider wird der Rassismus der sich deutlich in der Prüfungskommission zeigt nicht angesprochen. Eine deutsche Bewerberin, mit Muttersprache Deutsch, geboren in Berlin spielt dieselben klassischen Rollen, wie anderen Kandidatinnen, dass sie asiatisch aussieht bringt einige Prüfer/-innen völlig aus der Fassung. Warum sie etwas spielt, was NICHTS mit ihr zu tun hätte, wird aufgebracht gefragt, niemand fragt zurück WAS sie denn spielen „sollte“. Was ihr Aussehen mit dem Stück mache, wird sich gefragt - aber auch hier keine Antwort gegeben. Die gesamte Kommission scheint sich überhaupt nicht mit dem Thema je beschäftigt zu haben. Trotz der rein negativen Konsequenzen die ihr Aussehen für sie hat, wird ihr ein „Asia-Bonus“ vorgehalten… es ist ein absolutes Trauerspiel- Nicht mal der studentische Beisitzer sagt etwas. Wer stößt die Prüfenden auf ihre Defizite an?
Komission Daumen runter
Was Mixi schreibt, nahm ich anders wahr..Es wurde der Frau eher pos. angerechnet, eine Berlinernde zu spielen...;-) Was die Prüfer angeht, waren mir zwei Frauen ein Dorn im Auge: Die kleine Blonde im Männer-Outfit und die Frau, die Carolin Eichhorst heißt. Letztere machte die ganze Zeit auf "niedlich" und "sexy", verfehlte damit ihr Ziel. Die andere Frau fühlte sich bemüßigt, ihrerseits eine kleine Hüpf-und Schreidarbietung abzugeben, die einfach nur oberpeinlich war. Wäre ich da Prüferin gewesen, wäre sie durchgefallen. Mein Eindruck war, dass die Prüfer alle verhinderte Schauspieler sind und darum selbst alles spielen müssen...Letztere zog auch permanent merkwürdige Grimassen, während sie das angeblich nur für sich tat...Aber nein...Für diese Leute war eben DAS wie Ihre Rolle. Ich fand es nervig. Eigentlich kam nur Georgi glaubwürdig und angenehm rüber. Insgesamt war dies keine besondere Doku.
Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns