Serien-Tipp: »The Looming Tower«

»The Looming Tower« (2018). © Hulu/Amazon

»The Looming Tower« (2018). © Hulu/Amazon

Der Fall der Türme

Eigentlich glaubt man fast alles zu wissen über die Attentate am 11. September 2001, bis in einzelne Verschwörungstheorien hinein. Die erste Überraschung, die die Serie »The Looming Tower« bereitet, besteht darin, dass dieses Vertrautheitsgefühl zerstört wird. Davon, dass FBI und CIA nicht gut zusammenarbeiteten im Vorfeld von 9/11, hat man schon einmal gehört. Aber welch seltsame Charakterköpfe sich in diesen gegenseitigen Boykott verstrickten, das sieht man hier in neuem Licht. Jeff Daniels spielt den New Yorker FBI-Chef John O'Neill, der zunächst wie der gut erfundene Antiheld einer HBO-Serie wirkt: ein verheirateter Familienvater, der zwei Geliebte gleichzeitig jongliert, seine Vorgesetzten beschimpft und sich überhaupt so schlecht benimmt, dass man sich fragt, wie er es so weit bringen konnte. Sein Gegenüber ist ein noch größerer Unsympath, den Peter Sarsgaard mit all der ihm zur Verfügung stehenden Schmierigkeit verkörpert. Aber natürlich ist es einmal mehr nicht die versuchte ­Realitätsnähe, die den Reiz dieses auf dem preisgekrönten Sachbuch von Lawrence Wright beruhenden 10-Teilers ausmacht, sondern die nahtlose Verquickung von Fakten und zündender Inszenierung. Mit Bill Camp als »Field Officer«, der im Nachhall des Botschaftsattentats von 1998 in Kenia ermittelt, und Tahar Rahim (»Ein Prophet«) in der Rolle eines der wenigen gläubig-muslimischen und Arabisch sprechenden Mitarbeiter des FBI, verfügt die Serie über zwei zusätzliche Trümpfe, für die man dann auch in Kauf nimmt, dass die Erzählperspektive eine strikt männliche und weiße bleibt.

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