Marvin Miller

Musik für:

Wie schon zuletzt mit seinem Welterfolg »Das Lehrerzimmer« beweist İlker Çatak auch mit »Gelbe Briefe«, dass er es auf überzeugende Weise versteht, sich anspruchsvolle Arthouse-Themen so vorzunehmen, dass sie auch als Unterhaltung für ein breites Publikum funktionieren. Seine Geschichte eines Künstlerehepaares, das angesichts staatlicher Repressionen erst seine Existenz und dann sich selbst zu verlieren droht, ist dabei nicht nur eine dezidiert türkische und gleichzeitig universell erzählte Geschichte, sondern auch klug inszeniert und hervorragend gespielt.
Ein furioser Thriller um eine (versehentliche) Koranverbrennung bei einem Filmdreh und eine Praktikantin in Nöten – grandios gespielt von Devrim Lingnau. Im vielschichtigen wie -deutigen Geflecht aus Projektionen, Vorurteilen und Paranoia spiegelt Mehmet Akif Büyükatalay treffsicher und sarkastisch Dynamiken einer gespaltenen, hysterisierten Gesellschaft.
Eine Schule als Mikrokosmos der Gesellschaft: Bei İlker Çatak ist das kein theatralisches Lehrstück, sondern ein mitreißendes, fast schon melodramatisches Abenteuer mit großartigen Schauspieler*innen, allen voran die in widersprüchlichsten Gefühlen funkelnde Leonie Benesch.
1999. Zehn Jahre nach der Wende versucht Gudrun (Corinna Harfouch) in einem kleinen ostdeutschen Städtchen den Verkauf des ehemaligen DDR-Kinderheims zu verhindern. Ein Thema, das mehr Konzentration verdient hätte.