Kritik zu The Social Reckoning
Im »The Social Network«-Nachfolger erzählt Aaron Sorkin von den Hintergründen der »Facebook Files«: Recherchen, die 2021 aufdeckten, dass
der Konzern bewusst schädliche Inhalte auf seinen Plattformen duldet
Ein Gespür für Ironie hat Sony. Das amerikanische Filmstudio bewirbt »The Social Reckoning« auf Facebook und Instagram mit dem knackigen Satz: »Der Algorithmus will nicht, dass du dieses Video siehst.« Immerhin geht es in dem Drama um das von Algorithmen gesteuerte Geschäftsgebaren von Mark Zuckerbergs Konzern. Genauer gesagt schildert der Film die Geschichte um die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen, die 2021 im »Wall Street Journal« aussagte, dass das Unternehmen Wachstum und Profit über das Wohlergehen seiner Nutzer:innen stellt.
Der Film ist die Fortsetzung von David Finchers sinistrem »The Social Network« (2010) über Mark Zuckerbergs unternehmerische Anfänge an der Harvard University zu Beginn der 2000er Jahre. In »The Social Reckoning« ist er knapp fünfzehn Jahre später der CEO eines Tech-Imperiums im Zenit seiner Macht. Zu einer Zeit, als sich auf Social-Media-Plattformen Falschinformationen immer stärker ausbreiteten und die amerikanische Politik darüber debattierte, die Betreiber für die auf ihnen veröffentlichten Inhalte haftbar zu machen.
Aaron Sorkin, der bereits das Drehbuch für »The Social Network« schrieb, inszeniert seine Geschichte als konventionelles und schnörkelloses Enthüllungsdrama, das keinen Platz für vielschichtige Figurenzeichnungen hat. Das ist in diesem Fall kein Nachteil, schließlich bietet das Thema allein genug Brisanz. Sorkin konzentriert sich ganz auf die Arbeit seines Protagonisten, des Investigativjournalisten Jeff Horwitz (Jeremy Allen White), der sich sukzessive das Vertrauen der Whistleblowerin Frances Haugen (Mikey Madison) erarbeitet, um an die nötigen Dokumente und Beweise für ihre Behauptungen zu kommen. Beide werden als Archetypen ihres Metiers gezeichnet. Hier die integre Professionalität eines Journalisten, der stoisch seiner Mission folgt. Dort der Idealismus einer nerdigen Informatikerin, die davon überzeugt ist, dass soziale Medien die Welt zu einer besseren machen. Ihr Antagonist ist selbstredend Mark Zuckerberg. In Vorblenden – die Geschichte trägt sich zwischen 2019 und 2021 zu – ist zu sehen, wie er sich mit einer Entourage an Berater:innen für eine Anhörung im Kongress vorbereitet. Jeremy Strong spielt Zuckerberg als autistisch überzeichneten Machtmenschen, der seinen Konzern und dessen Profitstreben mit allen Mitteln verteidigen will.
Das alles funktioniert über weite Strecken erstaunlich gut. Leider lässt sich Aaron Sorkin doch noch dazu verleiten, seine geradezu nüchterne Inszenierung, die im Verzicht auf eine eigenständige visuelle Bildsprache mehr an einen Fernseh- denn an einen Kinofilm erinnert, gegen Ende mit zu viel Theatralik aufzuladen. Beispielsweise wenn er in einer Parallelmontage den Sturm auf das Kapitol zeigt und dazu Zuckerberg in einer Art Situation Room, wie er mit sich ringt, ob er den noch amtierenden Präsidenten aufgrund von dessen aufwiegelnden Posts von seiner Plattform schmeißen soll. Ob Zuckerberg der Film gefällt? Bisher hat er sich nicht dazu geäußert. Auch nicht zum Marketinggag von Sony.





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