Kritik zu Molly's Game

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Das Regiedebüt des gefeierten Drehbuchautors Aaron Sorkin erzählt die Geschichte des exklusivsten illegalen Pokerrings der USA. In der Haupt­rolle: Jessica Chastain

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Es ist bezeichnend, dass der Drehbuchautor Aaron Sorkin sich für sein Regiedebüt eine Buchverfilmung ausgesucht hat. Er ist ein Mann des geschriebenen (und gesprochenen) Wortes, von »Eine Frage der Ehre« bis zu »The Social Network« und »Steve Jobs« wurden seine Drehbücher nicht zuletzt für die ungemein pointierten Dialoge und die geschliffenen Monologe gerühmt. Man kann sich also gut vorstellen, wie er von den Memoiren der Molly Bloom gefesselt wurde – oder wie er selbst in einem Interview erklärte: Vom Spannungsfeld zwischen dem, was sie aufschrieb, und dem, was sie aus Integrität gegenüber ihren höchst prominenten Gästen verschwieg. Denn Bloom organisierte von 2007 bis 2010 Underground-Pokerspiele für Stars, Superreiche und Politiker. Doch sowohl in ihrem Buch als auch vor Gericht behielt sie sämtliche pikanten Informationen für sich.

Von Schweigsamkeit kann bei Sorkins Verfilmung leider nicht die Rede sein. Es ist lange her, seit man von einem Film so zugetextet wurde. Molly Bloom, von Jessica Chastain als eiserne Lady gespielt, kommentiert praktisch jede Szene aus dem Off. Doch es entsteht kein Mehrwert, denn praktisch alles Gesagte ist gleichzeitig auf der Leinwand zu sehen. Sorkin setzt nicht auf die Kraft der Bilder, sondern allein auf die Cleverness seiner Worte. Das hat etwas sehr Eitles. Anders als etwa bei Scorsese entwickelt sich auch keine Faszination oder Dynamik, denn Sorkin vernachlässigt das visuelle Erzählen und baut keine Spannung zwischen Text und Bild auf. Schlimmer noch entwickelt er kaum ein Gefühl für die Atmosphäre des illegalen Pokermilieus, von einer Haltung zu schweigen. Vielmehr hat man das Gefühl, dass die ganze Pokergeschichte ihn eigentlich gar nicht interessiert. Dabei gäbe es über eine ausschließlich männliche Subkultur, in der sich machtgeile Superstars und neurotische Multimillionäre zu illegalen Pokerrunden treffen, sicher eine Menge zu sagen (die filmische Charakterisierung Tobey Maguires, hier »Spieler X« genannt, als manipulativer Fiesling deutet das Potential an).

Tatsächlich will »Molly's Game« vor allem eine Charakterstudie der Titelfigur sein. Einer jungen Frau, deren Karriere als Olympiaskisportlerin nach einem Unfall jäh endete, die durch Zufall einen neuen Kanal für ihren Ehrgeiz fand – und am Ende lieber ins Gefängnis gehen wollte, als durch eine umfassende Aussage die Leben ihrer Klienten zu zerstören. Eine Frage der Ehre, sozusagen. Aber so gut Chastain und Idris Elba als ihr (fiktiver) Anwalt auch sind: Sorkins Perspektive bleibt einerseits kurzsichtig und schießt zugleich weit über das Ziel hinaus. Kurzsichtig, weil er Bloom als scheinbar naive Organisatorin verharmlost (ihre Klienten waren teils spielsüchtig oder kriminell); übers Ziel hinaus, weil er sie zu einer Art Märtyrerin gegen unsinnige Strafverfolgung stilisiert, moralisch in einer Reihe mit den Verfolgten aus Arthur Millers »Hexenjagd«. Am Ende wird, wie so oft im amerikanischen Mainstreamkino, ein Vaterkomplex als Ursache von Mollys Eskapaden diagnostiziert. Eine überehrgeizige Karrierefrau mit Daddy Issues. Wenn das kein Filmstoff ist.

Meinung zum Thema

Kommentare

Die Kritik ist zutreffend, gleich wohl zu objektiv.
Ich persönlich fand den Film sehr gut.
Als Pokerspieler sieht man den Film unter anderen nicht so wie Menschen die keine Ahnung von dem Spiel haben.
Das mitwirken von Spielsüchtigen, Kriminellen und Menschen auf verschiedensten Berufen darf hier auch nicht fehlen. Die Tochter-Vater-Geschichte ist auch sehr ergreifend angeschnitten.
Das sie die ganze Zeit die Handlung erzählt ist wie in den 70ern bei MAGNUM und läßt den Film für den Leihen nicht langweilig werden.

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