Kritik zu Diamanti
Ferzan Özpetek verschmilzt in einem Schneideratelier, das Mitte der Siebzigerjahre Aufträge für Bühne und Film bearbeitet, berufliche und private Herausforderungen zur Hommage an Frauen, Freiheitsdrang und Kreativität.
Ein ganzer Garten voller Frauen in allen Altersgruppen, Körpergrößen und Temperamenten, versammelt um einen mit Gerichten beladenen Tisch, von einem Regisseur, den Ferzan Özpetek selbst spielt: »Ich möchte einen Film drehen über die Kraft der Frauen, die Arbeit der Frauen«, verkündet er seinen Darstellerinnen, und damit zugleich auch den Zuschauern: »Auf die Frauen und die, die sie lieben! Ihr seid meine Diamanten!« Es knallen die Sektkorken, es jubeln die Frauen, während die Kamera sie umkreist, über sie hinweg und an ihnen vorbeigleitet. Nach dem lebendigen Gartenfest kommen die Schauspielerinnen zur Ruhe. Am leer geräumten Tisch blättern sie in Drehbuchseiten und sich aus der realen, gegenwärtigen Rahmenhandlung. Zunächst aus murmelnden Stimmen, bald auch in Bildern materialisiert sich eine zweite, fiktive Realität in einem Schneideratelier, das Mitte der Siebzigerjahre in Rom Aufträge für Bühne und Film bearbeitet.
»Diamanti« weckt Erinnerungen an andere Filme, in denen Männer wuselnde Frauenwelten inszeniert haben, George Cukor in »Die Frauen«, ein ausschließlich mit gut 130 Frauen besetzter Film, oder, nicht ganz so ausschweifend, François Ozon in »8 Frauen«. Mit Musical-Elementen und seiner Verknüpfung von weiblich geprägter Arbeitswelt und privaten Schicksalen und einer nicht ganz so spektakulären Besetzung liegt »Diamanti« dazwischen. »Kostüm verkleidet nicht nur die Schauspielerin«, sagt die mit einem Oscar geadelte Kostümbildnerin Bianca Vega (Vanessa Scalera): »Es hilft ihr, in den Charakter zu finden.« Ähnlich wie Emerald Fennell in »Wuthering Heights« und andere feministisch geprägte Regisseurinnen von heute will sie schon in den frauenbewegten Nach-Achtundsechzigern nicht die Historie des 18. Jahrhunderts rekonstruieren, sondern in den Kostümen von weiblicher Selbstermächtigung erzählen, von Freiheitsdrang und Emanzipation. Das Kleid soll die Treppe hinunterfließen, erklärt Bianca und lässt eine Kaskade von Glasperlen die Treppe herunterprasseln, später näht sie Ornamente aus knisternden Bonbonpapieren auf einen weit ausgestellten Rock.
Die Näherinnen und Designerinnen sind in einer Farbpalette zwischen warmem Orange und verschiedenen Blautönen mit weißen und lilafarbenen Akzenten fast wie eine Musical-Truppe ausgestattet, harmonisch abgestimmt auf ihre Umgebung. Das Kraftzentrum sind die Schwestern Alberta und Gabriella, die das Atelier führen, die eine mit unnachgiebig strenger Hand, die andere versöhnlicher. Zu den beruflichen Herausforderungen gesellen sich private Krisen, die meist solidarisch gelöst werden: Der Sohn einer Näherin findet Unterschlupf im Knopfraum, die Nichte einer Kollegin versteckt sich vor der Polizei im Personalraum, eine geprügelte Ehefrau findet ebenso Beistand wie eine trauernde Mutter, dabei geht es um Freiheit und Gleichberechtigung. Bisweilen wirkt das ein wenig zu kunstvoll arrangiert, bis man wieder davongetragen wird von der Dynamik der Kamera, dem Drive des Schnitts und den Texturen und Farben der Stoffe.





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