Kritik zu Saturno Contro

Ferzan Ozpetek, der türkisch-italienische Spezialist für die Mittelmeervariante des Feel-Good-Movies mit Sympathie für alternative Lebensstile, erzählt von einem plötzlichen Trauerfall in einem Freundeskreis und den unabsehbaren Folgen

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Auch in Ersatzfamilien gibt es den Kampf ums Zusammenbleiben mit allem was dazu gehört: Generationenkonflikte und unvorhergesehene Todesfälle. Was in der echten Familie die Rolle der Mutter wäre, übernimmt in Ozpeteks Saga aus der Alternativgesellschaft der gut aussehende Lorenzo. Voll Sorge schweift sein Blick über die Freunde, die sich in seiner Wohnung zum Essen versammelt haben. Da gibt es seinen Lebenspartner Davide, einen erfolgreichen Schriftsteller, und dessen Exfreund Sergio, der in tatenloser Melancholie sein kleines Erbe verbraucht, es gibt deren alte Freundin Angelica, die mit Antonio verheiratet ist und zwei Kinder hat, es gibt Roberta, die das Rauchen aufgegeben hat, aber stattdessen nun Kokain nimmt, und es gibt die spitzzüngige Neval, die aus der Türkei kommt und mit einem stotternden Polizisten verheiratet ist. Als Neuling stößt an diesem Abend Paolo hinzu, der mal mit Roberta was hatte, von dem aber alle annehmen, er sei in Davide verliebt. Es ist eine so bunte wie durchaus glückliche Gemeinschaft aus Schwulen, Heteros, Italienern und Ausländern, die man ruhig als Utopie verstehen darf.

Lorenzos Sorge um deren Fortbestand ist durchaus nachvollziehbar. Aus dem Off beschwört er die Zusammengehörigkeit: »Ich möchte, dass es immer so bleibt, aber ich weiß, dass es im Leben kein Immer gibt.« Nicht für Beziehungen: Am nächsten Tag schon entdeckt Lorenzo durch Zufall, dass Antonio, Angelicas Mann, eine fremde Frau küsst. Lorenzo hat Angst, dass sich die beiden trennen, und drängt mehr noch als sonst auf gemeinsame Unternehmungen. Dann passiert der Unglücksfall: Lorenzo erleidet eine Hirnblutung und fällt ins Koma.

Nicht nur der Freundeskreis, auch der Film verliert damit sein Zentrum. Wie betäubt sieht man von da ab die Freunde im Flur des Krankenhauses sitzen, alleingelassen mit der Aufgabe, eine Familie darzustellen. Irgendwann begreift man, dass es Özpetek genau darum geht: Um das Überleben der Utopie aus sich selbst heraus.

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