Nachruf: Werner Enke
Werner Enke, May Spils, Henry van Lyck (v.l.n.r.). Foto: Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 091593c / Fotograf: Willy Pragher, Freiburg- Pressekonferenz im Colombi Hotel - LABW - Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 091593c, CC BY 4.0
25.4.1941 – 20.7.2026
Im Jahr 1968 protestierten nicht nur die Studenten auf den Straßen, es war auch das Jahr, als »Zur Sache, Schätzchen« von May Spils in die bundesdeutschen Kinos kam. In denen dominierten damals Grobkomödien, Edgar-Wallace- und Karl-May-Verfilmungen. Vielleicht war der von Werner Enke gespielte Martin in »Zur Sache, Schätzchen« nicht auf der Diskurshöhe der Studenten, aber er war ein Verweigerer der »Leistungsgesellschaft«, wie das damals hieß, als Hedonist und Anarchist ein Nichtstuer. »Ich mag’s nicht gerne, wenn die Dinge sich schon morgens so dynamisch entwickeln«, sagt Enke in diesem Film, und solche Dialoge steuerte er zum Film bei, genau wie das legendäre »Es wird böse enden«. Außerdem hat Enke in diesem Film die deutsche Sprache um Verben wie fummeln und abschlaffen erweitert.
Für ein paar Jahre waren München und Schwabing damals eine Verheißung, in den Filmen von Rudolf Thome, Klaus Lemke und Max Zihlmann. Die Filme sollten unterhalten, sie waren auch von großen Vorbildern inspiriert, wie »Nicht fummeln, Liebling!« (1970), der zweite Langfilm von Spils/Enke, dem man die Begeisterung für Godards »Außer Atem« ansieht. »Im Freien schwimmen meine Gedanken immer so ins Imaginäre«, heißt es da – auch nicht schlecht. Durchgesetzt haben sich damals aber die eher strengeren Werke von Wenders, Fassbinder, Herzog und Schlöndorff, die ja bekanntlich vor dem Genre der Komödie zurückschreckten. Aber nicht ganz: 1967 drehte Volker Schlöndorff in München einen seiner besten Filme, »Mord und Totschlag«, schwarze Komödie wie Gangsterfilm. Und Werner Enke spielt darin einen Fiesling, der seine Freundin (Anita Pallenberg) zu vergewaltigen versucht und von ihr erschossen wird – was Probleme mit der Beseitigung der Leiche bringt.
Noch dreimal haben Spils und Enke, auch privat ein Paar, bei Spielfilmen zusammengearbeitet: »Hau drauf, Kleiner« (1974), »Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt« (1978) und »Mit mir nicht, du Knallkopp« (1983). In »Zeigen was man liebt« (2016), einer Dokumentation über die »Münchner Gruppe«, gehen sie noch einmal an die Orte, wo gedreht wurde und wo man sich getroffen hat, eine schöne und berührende Hommage an die frühen Jahre.





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