Amazon: »Is God Is« (2026)

© Amazon MGM Studios / Orion Pictures

Zwei Schwestern begeben sich auf ­Rachefeldzug: ein faszinierend eigen­williger Film

Racine (Kara Young) und Anaia (Mallori Johnson) mögen Zwillingsschwestern sein, doch in ihren Persönlichkeiten lassen sich kaum Ähnlichkeiten ausmachen. Die eine ist selbstbewusst und impulsiv, die andere still und zurückhaltend. Doch die beiden verbindet ein so enges Band, dass sie in Aleshea Harris’ Film »Is God Is« mitunter sogar wortlos miteinander kommunizieren.

Es ist auch das Trauma, das die beiden jungen Frauen so fest zusammenschweißt. Als sie noch kleine Kinder waren, wollte der Vater ihre Mutter verbrennen, das Feuer hinterließ auch bei ihnen schwere Brandverletzungen, bei Racine am linken Arm, bei Anaia unübersehbar im Gesicht und am Oberkörper. An den Spätfolgen leiden die beiden bis heute. Überraschend erreicht sie ein Brief der totgeglaubten leiblichen Mutter (Vivica A. Fox), die im Sterben liegt und von ihren Töchtern verlangt, ihren Erzeuger aufzutreiben und zu töten. Racine empfängt diese Botschaft als geradezu göttliche Berufung, während in Anaia die Zweifel nagen. Fürs Erste aber nehmen die Schwestern die Spur des Mannes (Sterling K. Brown) auf, der damals ungeschoren davonkam und seither noch weiteren Nachwuchs gezeugt hat.

Aleshea Harris, als Army-Kind in Deutschland geboren, gehört seit mehr als zehn Jahren zu den meistbeachteten Theaterautorinnen der USA und hat mit »Is God Is« eines ihrer eigenen preisgekrönten Stücke für die Leinwand adaptiert. Die erzählerische Kontrolle, mit der sie den gleichermaßen schlichten wie dichten Stoff filmisch umsetzt, mag entsprechend keine Überraschung sein. Das visuelle Flair, das sie dabei – unterstützt von Kameramann Alexander Dynan (»The History of Sound«), Editor Jay Rabinowitz und Art Director Kirsten Oglesby – in den Kulissen oder raffinierten Split-Screens an den Tag legt, umso mehr.

In diesem blutigen, aber auch humorvollen Rache-Roadtrip der ungleichen Zwillinge trifft magischer auf sozialen Realismus und Southern-Gothic-Atmosphäre auf das, was in einer amerikanischen Kritik treffend als Afro-Surrealismus beschrieben wurde. Besonders sehenswert ist das nicht zuletzt deswegen, weil Harris von allgemeinen Themen wie toxisch-männlicher Gewalt in Beziehungen oder dem Leiden an innerer Versehrtheit erzählt und zugleich dezidiert (auch sprachlich) den Blick auf Schwarze Südstaaten-Strukturen und -Traditionen lenkt, ohne sich für ein weißes Publikum zu verbiegen.

Wie rar eigenwillige Stimmen wie die von Harris jenseits von Ryan Coogler oder Janicza Bravo (die hier als Produzentin beteiligt ist) weiterhin sind, lässt sich auch am Kaliber der Schauspieler*innen erkennen, die das Projekt vor die Kamera locken konnte. Neben Brown und Fox haben auch Janelle Monáe, Erika Alexander oder Mykelti Williamson kleine Rollen übernommen. Vor allem aber empfehlen sich Mallori Johnson, die zuletzt in der Serie »Vladimir« zu sehen war, und Kara Young, die bereits ein Star in der New Yorker Theaterszene ist und zwei Tonys gewinnen konnte, für weitere große Kino-Auftritte.

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