Apple TV: »Lucky«

»Lucky« (Serie, 2026). © Apple TV

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Anya Taylor-Joy spielt eine gerissene Betrügerin, die gleichzeitig vom FBI und skrupellosen Gangstern gejagt wird

Gleich in der ersten Szene rennt die Titelheldin atemlos zwischen, unter und auf den Lastern einer Autobahnraststätte um ihr Leben: Immer wieder entkommt sie dem FBI-Agenten, der sie unerbittlich verfolgt, bis sie doch noch in seinen Revolverlauf schaut. Aber nur kurz, denn es gibt noch gefährlichere Gegner. Nachdem Anya Taylor-Joy schon in der Schach-Thrillerserie »Das Damengambit« außergewöhnliche Fähigkeiten gezeigt hat, tut sie das nun auch in der siebenteiligen, auf dem gleichnamigen Thriller von Marissa Stapley basierenden Serie »Lucky«, bei der sie zudem als ausführende Produzentin fungiert.

Ihrem Namen macht die Titelheldin alle Ehre, denn immer wieder gelingt es ihr, aus auswegloser Situation zu entwischen. Doch mit Glück hat das nur bedingt zu tun, sondern eher mit den Survival-Skills, die ihr Vater (Timothy Olyphant), ein gewiefter Trickbetrüger, ihr antrainiert hat. So wie die von Saoirse Ronan gespielte Hanna im gleichnamigen Thriller »Hanna« von Joe Wright hat auch Lucky eine extreme Erziehung erfahren.

Nach dem furiosen Intro klinkt sich eine Rückblende ein paar Stunden zuvor ein. Nicht mit kurzem platinblondem Lockenschopf, sondern mit langen rötlichen Haaren bewohnt Lucky mit ihrem Freund Cary ein Luxushotelzimmer im Caesars Palace, auf dem Teppich neben dem Sofa steht ein riesiger Koffer, aus dem Geldscheinbündel herausquellen. Lucky hat eine böse Vorahnung, Cary beschwichtigt sie, doch am nächsten Tag sitzt sie nicht im Flieger in ein neues Leben, sondern wacht benommen aus dem Schlaf auf, Koffer und Ehemann sind verschwunden. Als eine ganze Flotte FBI-Agenten am Hoteleingang auftaucht, ist sie gezwungen zu fliehen, nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch vor den skrupellosen Gangstern, die ihr Geld zurückwollen.

Magnetisch zieht Anya Taylor-Joy die Blicke an, wenn sie sich ihre Fluchtwege bahnt, dabei die Umgebung nach neuen Chancen scannt und im Vorbeigehen hier ein Cappy, dort einen Hoodie oder eine Jacke greift, um ihr Aussehen zu verändern, oder eine Security-Code-Karte, um sich Zugang zu verschaffen. In spürbarer Panik agiert sie in einem Moment wie eine entschlossene Action-Amazone, nur um im nächsten mit großen Augen und zitternder Stimme das unschuldige Opfer zu spielen, das einen Wäschefahrer zur Fluchthilfe bewegt oder sich den Schutz einer Familie erschleicht.

Dieser ewige Mechanismus von Jagd und Flucht könnte sich abnutzen, doch hier läuft im Hintergrund eine komplexe Coming-of-Age-Geschichte über eine Tochter, die sich von ihrem toxischen Vater emanzipieren muss. Zudem sorgt die grandiose Besetzung für erzählerische Tiefe, unter anderen Timothy Olyphant als wendiger Trickbetrügervater, Aunjanue Ellis-Taylor als FBI-Agentin, die sich auf selbstzerstörerische Weise in den Fall verbeißt, William Fichtner als lässig fieser Mafioso und allen voran Annette Bening, die nach ihrem schillernden Auftritt als mächtige Rinderfarmerin im »Dutton Ranch«-Sequel eine weitere supertaffe Matriarchin verkörpern darf.

OV-Trailer

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