Sooner: »Der tote Winkel der Wahrnehmung« (2025)

»Der tote Winkel der Wahrnehmung« (2025). © Sixpack Film

© Sixpack Film

Sie sind unter uns: Michael Gülzows charmante Mediensatire

Geblieben sind nur die Filmaufnahmen, zwei Videokassetten. Das verbindet das Spielfilmdebüt von Michael Gülzow, das im letzten Jahr auf der Diagonale und 2026 beim Filmfestival Max Ophüls Preis lief, mit einem großen Vorbild, »The Blair Witch Project« (1999). Atemraubende Spannung wie bei dem amerikanischen Horrorfilm darf man sich von »Der tote Winkel der Wahrnehmung« nicht erwarten. Ein höchst amüsantes Spiel mit, sagen wir mal, den Abgründen der Wahrnehmung aber schon. Verschwörungstheorien inklusive.

Im Jahr 1996 wollen sich zwei Studentinnen, Alina (Anna Rieser) und Flora (Julia Posch), mittlerweile vermisst, mit einer Reportage bei der Wiener Filmakademie bewerben. Heißen soll sie »Zeugen außergewöhnlicher Phänomene«, denn sie dreht sich um die Frage: Sind Außerirdische, in diesem Fall Echsenmenschen, nicht längst unter uns? Die beiden führen Interviews, etwa mit einem Pferdeflüsterer, dessen Tier Stimmen aus dem All hören kann, oder mit einem jungen Mann, der zur Abwehr einen Aluhut trägt und fleißig dem Cannabis zuspricht: Er will einen Mottenmann gesehen haben. Seriöser wirkt da der Autor Eschberger, der das Buch »Der tote Winkel der Wahrnehmung« geschrieben hat, über die Reptiloiden, die unsere Welt infiltrieren.

Eschberger ist auch zu Gast bei Arabella Kiesbauer, und das zeigt, wie gekonnt diese Mockumentary Inszeniertes mit Found Footage und Archivmaterial verbindet, mal abgesehen von verrückten Fragestellungen wie: »Was passiert, wenn man alle 102 Folgen von »ALF« auf einmal sieht?« Die Verwendung von Mini-DV-Material verleiht Gülzows Film, der nach einem witzigen Anfang auch mal durchhängt, nicht nur Authentizität, sondern auch einen pixeligen Charme mit Unschärfen, die das Obskure dieser Verschwörungstheorien verstärken. In deren Bann geraten auch mehr und mehr die beiden Filmemacherinnen, und so wird Gülzows ungewöhnlicher und gleichzeitig spannender Film auch zu einem lustigen Traktat über das Verhältnis von Realität und Fiktion.

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