ZDF-Mediathek: »Kabul – Flucht aus der Hölle«

»Kabul – Flucht aus der Hölle« (Miniserie, 2026). © ZDF/Domniki Mitropoulou

»Kabul – Flucht aus der Hölle« (Miniserie, 2026). © ZDF/Domniki Mitropoulou

Die sechsteilige Fiktionalisierung des Abzugs der ISAF aus Kabul im Jahr 2021 erweist sich als überzeugende geharnischte Anklage

Der Rückzug der sogenannten International Security Assistance Force (ISAF) aus Afghanistan im Jahr 2021 zählt zu den blamabelsten Kapiteln der europäischen und US-amerikanischen Geschichte. Nur noch selten kommt zur Sprache, dass das Desaster auf einen der berüchtigten »Deals« des damaligen und heutigen US-Präsidenten Donald Trump zurückgeht. Im Februar 2020 unterzeichneten Vertreter Trumps und der Taliban einen Vertrag, demzufolge sich die US-Truppen und deren Verbündete bis zum 1. Mai 2021 aus Afghanistan zurückziehen würden. Die afghanischen Streitkräfte wurden weder einbezogen noch informiert. Man hätte mehr als ein Jahr Zeit gehabt, einen geordneten Abzug vorzubereiten. Dennoch kam es im August 2021 am Flughafen von Kabul zu dramatischen Szenen und tödlichen Tragödien.

Von diesem skandalösen Versagen erzählt die sechsteilige Serie »Kabul – Flucht aus der Hölle«, eine Kooperation europäischer öffentlich-rechtlicher Sender. Die Serie ist hochwertig produziert, wobei der Aufwand nie in Geprotze ausartet, sondern einer realitätsnahen Rekonstruktion gilt.

Die Erzählung gliedert sich in sechs fiktionale Stränge. Richterin Zahara hat mehrere Taliban verurteilt. Ihr droht die sofortige Ermordung durch die neuen Herren. Sie und ihr Mann entschließen sich zur Flucht. Tochter Amina studiert Medizin und ist verlobt. Nach längerem Zögern erkennt sie, dass sie unter einem Talibanregime keine Zukunft haben wird, und macht sich ebenfalls auf den Weg zum Flughafen, gemeinsam mit dem Waisenkind Nooria, das sie nicht zurücklassen möchte. Ihr Bruder Fazal war Informant des US-Geheimdienstes CIA und wird zu einem weiteren Einsatz erpresst. Er soll die von den Taliban freigelassenen IS-Terroristen auskundschaften.

In den Botschaften und am Flughafen versuchen der italienische Konsul Giovanni und der französische Sicherheitschef Gilles, die Ausreise ihrer Landsleute und der Ortskräfte zu organisieren. Der Flughafen wird belagert, die Zahl der Ausreisewilligen ist enorm, und es gehen nur noch wenige Flüge. Unterdessen sucht die deutsche BND-Agentin Vera nach einem ehemaligen Verbündeten, der bei den Taliban auf der Todesliste steht. Zusammen mit zwei Getreuen macht sie sich auf eigene Faust auf den Weg und unternimmt eine gewalttätige Befreiungsaktion. Eine angesichts des gegebenen Gehalts unnötige Konzession an das Actionkino, die der eigentlichen Erzählung eher schadet als aufhilft.

Deren Stärke sind die Passagen über die Verzweiflung der von Tod und Verhaftung bedrohten afghanischen Ausreisewilligen und die Ohnmacht der hilfswilligen Botschaftsmitarbeiter und Ordnungskräfte, nicht zuletzt angesichts einer zähen, realitätsfernen und auch zynischen Bürokratie in den jeweiligen Heimatländern. Ein Skandal, der noch immer kein Ende gefunden hat. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Regierung finden sich die Zeilen: »Wir werden freiwillige Bundesaufnahmeprogramme so weit wie möglich beenden (zum Beispiel Afghanistan) und keine neuen Programme auflegen.«

Trailer

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