Kritik zu Obsession – Du sollst mich lieben

© Universal Pictures

2025
Original-Titel: 
Obsession
Filmstart in Deutschland: 
25.06.2026
L: 
108 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Die magische Erfüllung eines Wunsches wird zum absoluten Albtraum: Aus dieser bekannten Prämisse macht Curry Baker eine erfrischende Horrorsatire mit beeindruckend pointierten Schockmomenten

Bewertung: 4
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Es könnte so einfach sein: »Ich empfinde mehr für dich als nur Freundschaft.« Mit diesen Worten könnte eine ehrliche, klärende Kommunikation beginnen. Doch Bear (Michael Johnston) bringt es einfach nicht fertig, Nikki (Inde Navarrette) zu sagen, dass er in sie verliebt ist. Aus Verzweiflung und Frust nutzt Bear einen »One Wish Willow«, einen magischen Gegenstand, den er aus einem Kuriositätenladen mitgenommen hat und der einen Wunsch erfüllen soll, wenn man ihn zerbricht. Bear wünscht sich also, dass Nikki ihn mehr als alles andere auf der Welt liebt. Und zu Bears Überraschung geht der Wunsch tatsächlich in Erfüllung. Allerdings nicht ganz so, wie er sich das gedacht hat. Denn Nikkis »Liebe« wird zu einer unheimlichen Obsession mit furchtbaren Konsequenzen.

Der Plot eröffnet Bezüge zu aktuellen Diskussionen um toxische Männlichkeit: Ein junger Mann ist unfähig, seine Gefühle zu äußern, und wird als Folge übergriffig – denn nichts anderes als ein Übergriff ist diese erzwungene Liebe. Was Nikki tatsächlich für Bear empfunden hat, darüber lässt sich im Weiteren nur spekulieren; geschickt deutet der Film an, welche Qual die Verwandlung für die nur noch im Unterbewusstsein existente reale Nikki ist. Zugleich kann man nachvollziehen, dass es für Bear leichter gesagt als getan ist, seine Gefühle zu offenbaren, zumal hier auch die Dynamik der gemeinsamen Freundesclique eine Rolle spielt. Bears grundsätzlich ehrliche Liebe gibt dem Film eine emotionale Fallhöhe.

Den unbedarft und eigentlich ohne wirklichen Glauben an die Wirkung geäußerten Wunsch scheint Bear relativ schnell zu bereuen, denn er merkt, dass Nikki überhaupt nicht mehr wie die Person agiert, in die er sich verliebt hat. Allerdings ist Bear nicht in der Lage, seinen Fehler vor anderen einzugestehen und damit Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen agiert er überfordert, lässt die Dinge geschehen, hofft, dass die »Beziehung«, die die beiden nun führen, vielleicht doch so werden könnte, wie er es sich wirklich gewünscht hat, und reflektiert nur bedingt, was er Nikki da eigentlich angetan hat. Da scheint es nur konsequent, dass Regisseur Curry Barker den Film immer weiter eskalieren lässt.

Ähnlich wie die Brüder Danny und Michael Philippou (»Talk to Me«, »Bring Her Back«) hat Barker als YouTuber angefangen, sein Comedy-Hintergrund weist zudem Parallelen zu Jordan Peele (»Get Out«) auf. Barkers Inszenierung zeichnet sich hier durch absurde Situationskomik mit schwarzem Humor aus, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Inde Navarrette spielt die immer manischer und grotesker werdenden Züge ihrer Figur mit umwerfender Spielfreude aus. Wenn sie mit wirrem Grinsen »I love you« sagt, läuft es einem kalt den Rücken runter. Der satirisch angehauchte Schrecken entfaltet sich zunächst noch subtil, um sich dann immer deutlicher zu einem brutalen, blutigen Horrortrip zu entwickeln. Dabei baut Barker eine so spannungsgeladene Atmosphäre auf und setzt so pointierte Schockmomente, dass gerade das Ende seine ganz eigene verstörende Sogwirkung entfaltet.

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