Kritik zu Michael

© Universal Pictures

Das Biopic über den »King of Pop« erzählt von der rasanten Karriere Michael Jacksons bis 1988 und ist eine Hommage an den Künstler, spart die Missbrauchsvorwürfe aber komplett aus

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Biopics über berühmte Musiker*innen sind fester Bestandteil der heutigen Kino-Landschaft, daran können auch Flops wie »Springsteen: Deliver Me from Nowhere« oder »Whitney Houston: I Wanna Dance with Somebody« nichts ändern. Es war also nur eine Frage der Zeit, dass auch das Leben des »King of Pop« auf die Leinwände kommt. Doch weil der größte Popstar der Welt auch der wohl kontroverseste ist, ist »Michael« nun in vielerlei Hinsicht kein Film wie jeder andere.

Inhaltlich widmet sich das von Produzent Graham King seit langem vorangetriebene und von Antoine Fuqua inszenierte Projekt der Biografie von Michael Jackson auf erwartbare, chronologische Weise. Man sieht den achtjährigen Knirps (Juliano Valdi), der zusammen mit seinen Brüdern im Wohnzimmer vom gnadenlos ehrgeizigen Vater (Colman Domingo) zu Bandproben gedrillt wird, gefolgt vom Durchbruch der Jackson 5. Es folgen: erste Solo-Erfolge als junger Erwachsener (Jaafar Jackson), das mühsame Loslösen vom dominanten Erzeuger, der durch »Thriller« erlangte Weltruhm und der folgenreiche Brandunfall beim Dreh eines Pepsi-Werbespots. Den Schlusspunkt setzt dann ein Konzert in London 1988, nicht lange nach Erscheinen des Albums »Bad«.

Jacksons zahllose Fans, die ganz klar das Zielpublikum dieses von großen Teilen seiner Familie sowie dem Nachlassverwalter und Anwalt John Branca (im Film: Miles Teller) unterstützten Films sind, werden in »Michael« nicht viel Neues erfahren. Der Blick des von John Logan verfassten Drehbuchs auf den Protagonisten ist kein kritischer, und allzu tief wird auch psychologisch nicht geschürft: Das Trauma einer verpassten Kindheit und eines körperlich wie emotional brutalen Vaters resultiert im Peter-Pan-Syndrom und übergroßer Bindung an Tiere (Schimpanse Bubbles wird ein echter Filmstar-Auftritt gegönnt) und Kinder. Gleich zweimal sieht man Jackson an den Krankenhausbetten kleiner Krebspatient*innen, während zumindest in den Raum gestellt wird, dass die schweren Verletzungen des besagten Pepsi-Unfalls in einer Schmerzmittelabhängigkeit resultierten.

Gänzlich unerwähnt bleiben jegliche Missbrauchsvorwürfe, die immer wieder gegen den Popstar erhoben wurden, auch weil der Film einige Jahre vor deren ersten Aufkommen endet. Wer talentiert darin ist, Werk und Künstler voneinander zu trennen oder mangels rechtskräftiger Verurteilungen gewillt ist, das Wissen um weite Teile von Jacksons Leben auszublenden, darf sich freuen. Als konventionelles Mainstream-Biopic ist »Michael« deutlich gelungener als etwa der ebenfalls von King produzierte Welterfolg »Bohemian Rhapsody«. Fuquas Inszenierung ist stimmig, Jacksons Neffe Jaafar in seinem Schauspieldebüt nicht zuletzt tänzerisch überzeugend, und der Fokus auf die famosen Songs und Auftritte lässt den Film zu einer mitreißenden Verneigung vor Jacksons Talent werden. Wer allerdings Fandom und Nostalgie nicht alle im Raum stehenden Anschuldigungen übertönen lassen mag, wird hier an moralische Grenzen stoßen.

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