ARD-Mediathek: »Sternstunde der Mörder«

»Sternstunde der Mörder« (Miniserie, 2026). © ARD Degeto Film/NDR/Servus TV/Canal+Austria/HR/Zeitgeist Filmproduktion/EPO-Film/Petro Domenigg

© ARD Degeto Film/NDR/Servus TV/Canal+Austria/HR/Zeitgeist Filmproduktion/EPO-Film/Petro Domenigg

Pavel Kohouts Kriminalroman über die Wirren des Kriegsendes in Prag als internationale Koproduktion in vier Teilen

Deutschland hält nicht viel von seiner Fernsehvergangenheit. Selbst das Goethe-Institut verbreitete bis vor kurzem noch vernichtende Urteile wie: »Deutsche Produktionen waren (…) auf dem internationalen Fernsehexportmarkt mehrheitlich ignoriert worden. Zu schlecht, zu billig, zu langweilig.« Erst in jüngerer Zeit habe man namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler für Serienproduktionen gewinnen können. Die Wahrheit sieht anders aus. Stars wie Burt Lancaster, Julie Christie, Stacy Keach, Marisa Berenson und Rod Steiger standen vor deutschen Kameras. An der Produktion von »Die Geschwister Oppermann« waren 1983 Fernsehveranstalter aus den USA finanziell beteiligt. Dort lief der Mehrteiler im deutschen Original mit englischen Untertiteln.

Mit ihrer vierteiligen Adaption von Pavel Kohouts historischem Kriminalroman »Sternstunde der Mörder« stehen Drehbuchautor Klaus Burck und Regisseur Christopher Schier folglich in einer Tradition, die weit über »Babylon Berlin«, »Freud« oder »Vienna Blood« zurückreicht. Kohout konzentrierte die Auflösung aller Werte und jeglicher Moral der NS-Jahre auf die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Prag. Als die Offizierswitwe von Pommern einem Mord zum Opfer fällt, ergibt sich für Standartenführer Meckerle Gelegenheit, Kriminaloberrat Erwin Buback zur Prager Polizei abzuordnen mit dem eigentlichen Auftrag, unter den Tschechen nach Aufrührern zu fahnden. Buback ermittelt mit dem jungen Jan Morava. Morava und sein Vorgesetzter Beran agieren mit Bedacht, halten sich an die Regeln der Besatzer. Doch Buback gehört nicht zu den NS-Fanatikern. Jedenfalls nicht mehr.

Weitere Morde geschehen, alle mit derselben Handschrift, die Taten eines gestörten Menschen, der seine durchweg weiblichen Opfer regelrecht ausweidet. In anderen Erzählungen erweisen sich solche Details meist als rein spekulatives Element. Hier ist es eingebunden in ein breites Panorama der Grausamkeiten – Folter und Morde durch deutsche Besatzer, nach Hitlers Tod dann die wütende Rache der gequälten und gedemütigten Tschechen, der sich der Frauenmörder beflissen anschließt. Roman und Serie hätten auch »Schonzeit für Mörder« überschrieben werden können. Eine Parabel also, in der vierteiligen TV-Fassung dramaturgisch allzu absehbar und immer eine Handbreit über das Realistische hinaus inszeniert. Die Schauspielerinnen und Schauspieler erlauben sich einen Stil der sanften Übertreibung. Man sieht, dass sie spielen – Jeanette Hain imitiert Marlene Dietrich, Nicholas Ofczarek als Buback geht am Stock, äußeres Symbol einer verwüsteten Seele. Die Nazis agieren penetrant verhaltensauffällig, brüllen, poltern, während doch der eigentliche Horror gerade im Normalen zu finden war.

Ein Kuriosum: Produziert wurde der Vierteiler von den Partnern NDR, HR, Degeto, Canal+ – und ServusTV. Der österreichische Sender ist in der Vergangenheit wegen rechtspopulistischer Beiträge in die Kritik geraten. Er gehört zum Red Bull Media House des umstrittenen Unternehmers Dietrich Mateschitz, der seinerseits wiederholt mit rechtspopulistischen Positionen liebäugelte.

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