"Was tut sich?" mit Joscha Bongard

© Across Nations Filmverleih

Alles ist öffentlich im Leben der Familie Sommer, besonders das Leben von Tochter Luca, dem Star der Family-Influencer. Das geht aber nicht lange gut im Film von Joscha Bongard

Alles ist öffentlich im Leben der Familie Sommer, vor allem das der 16-jährigen Tochter Luca (Maja Bons), Star eines millionenfach verfolgten Influencer-Accounts. Schon zu Beginn von Joscha Bongards Film »Babystar« zeigt sich ein erster Riss hinter der perfekt inszenierten Fassade: Luca wirkt isoliert, definiert sich über Reichweite statt über Beziehungen. Seit ihrer Geburt wird sie von ihren Eltern konsequent als Marke aufgebaut, ihr Leben ist Content, ihr Alltag Teil eines Geschäftsmodells. Selbst Intimes wird vermarktet, während die Eltern ihre Verantwortung ausblenden. Visuell unterstreicht der Film diese Kälte durch sterile, kamera­überwachte Räume, die zunehmend wie ein Käfig wirken.

Als Luca erfährt, dass ein zweites Kind geplant ist, gerät ihr Status ins Wanken. Sie rebelliert, sucht nach einer Identität jenseits der Inszenierung, bleibt aber im System gefangen. Ihre Fluchtversuche wirken ebenso öffentlich wie ihr bisheriges Leben. Bongards klug analysierende Mediensatire zeigt präzise, wie sich familiäre Beziehungen in ökonomische Strukturen verwandeln und selbst der Konflikt Teil des Geschäftsmodells wird.

Joscha Bongard, 1994 in Wolfsburg geboren und in Kassel aufgewachsen, arbeitete nach Abitur und Ausbildung zunächst beim YouTube-Netzwerk TubeOne sowie als Produktionsassistent in Berlin. Ab 2017 studierte er Regie an der Filmakademie, ergänzt durch Stationen in Paris und Los Angeles. Seine Arbeiten reichen von Kurzfilmen und Werbung bis zum Dokumentarfilm »Pornfluencer«. »Babystar« ist sein erster abendfüllender Spielfilm und zugleich sein Diplomfilm.

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