Kritik zu Das geheime Stockwerk

© Farbfilm Verleih

Mit einer Mischung aus Fantasy- und Kriminalfilm vermittelt Regisseur Norbert Lechner auf kindgerechte Weise Einsichten in Ereignisse der Nazizeit.

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Mit dem Fahrstuhl in die Vergangenheit: Unerwartet wird der zwölfjährige Karli (Silas John), der seinem Vater bei der Renovierung des neu erworbenen Grand Hotels im Salzburger Land zur Hand gehen soll, bei einer Fahrt mit dem Aufzug in das Jahr 1938 befördert. Das Jahr, in dem Hitler vor der jubelnden Wiener Bevölkerung auf dem Heldenplatz den »Anschluss« seiner Heimat an das Deutsche Reich verkündet. Für die jüdischen Gäste des Hotels verschärft sich die Gefahr, auch für die kleine Hannah Friedländer (Annika Benzin) und ihren Vater (Marc Limpach). Karli freundet sich mit dem resoluten Mädchen an, und mit ihr zusammen gelingt es ihm, den Schuhputzerjungen Georg (Maximilian Reinwald) vom Verdacht des Diebstahls zu befreien. Denn hinter dem auf merkwürdige Weise gestohlenen Geld und dem verschwundenen Schmuck verbirgt sich ein Geheimnis.

Der Film präsentiert das Hotel des Jahres 1938 als Mischung aus »Zauberberg« und »Grand Budapest Hotel«, kinderfilmgerecht ausgestattet mit leicht überzeichneten Charakteren. Imposant: Max Simonischek als strammer Nazivater, der seinen Söhnen gerne mal die Ohren langzieht und für die Friedländers und den jüdischen Barpianisten nur abfällige Worte übrighat. Assoziationen zu menschenverachtenden Tendenzen in unserer Gegenwart drängen sich auf.

Regisseur Norbert Lechner spielt mit den Zeitebenen, etwa wenn die Menschen des Jahres 1938 Karlis merkwürdiges Gerät bestaunen, mit dem man nicht nur telefonieren, sondern auch Fotos machen kann. Der Film vermeidet es aber, das Zeitparadoxon zu überreizen. Obwohl sich Karli über die Verbrechen der Nazis informiert hat, nickt er erst am Ende zustimmend, als Bruno zögerlich fragt, ob den Juden »Schlimmes« bevorstehe. Der Film kommt, auch dank der schauspielerischen Leistungen der jugendlichen Darsteller, ohne aufgesetztes Pädagogisieren aus – und wartet am Ende mit einer überraschenden Pointe auf.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt