Kritik zu Zwischen uns die Mauer

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Der antifaschistische Schutzwall als Gefühlshindernis und Verursacher von ­Melodramen: Norbert Lechners Film erzählt von einer jungen Westdeutschen, die sich in den achtziger Jahren in einen jungen Ostdeutschen verliebt

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Es gibt immer mal wieder Momente in diesem Film, in denen teilt sich etwas mit über das totalitäre Spitzel- und Verrätersystem, das die DDR war. Momente, in denen eine große romantische Liebe auf gnadenlos durchgesetzte Restriktionen trifft und Freiheitsdrang und Lebenslust unter den Druck der Ideologie geraten. Momente, in denen man hofft, dass »Zwischen uns die Mauer« doch noch die Kurve kriegt und etwas Relevantes zum Thema »Deutsche Teilung« beiträgt. Doch dann sind sie auch schon vorüber, diese Momente, abgesoffen im nächsten von Klaviergeklimper begleiteten Klischee. Schlimm.

Schlimm vor allem auch, weil auf diese Weise die wenigen authentisch gestaltet scheinenden Einblicke in die erstickende Denk- und Kulturfeindlichkeit, die im sozialistischen Nachbarland jahrzehntelang Staatsdoktrin war, ihrerseits in Gefahr geraten, zum Klischee zu werden. Und neben die sattsam bekannte Schablone des Hacken zusammenschlagenden Nazis gesellen sich solcherart DDR-Grenzer, Vollzugsbeamte, Stasioffiziere – allesamt eindimensionale Bösewichte, deren sadistische Lust es ist, eine junge Liebe zu zerstören.

1986 nämlich nimmt die 17-jährige Anna an einem kirchlich organisierten Austausch von west- und ostdeutschen Jugendgruppen teil; eigentlich will sie nur das coole Westberlin sehen – wo die Bewohner der WGs in den besetzten Häusern selbstverständlich nackt herumlaufen –, dann jedoch verliebt sie sich in den noch viel cooleren Ostberliner Phi­lipp, den Sohn des Pfarrers. Es ist Liebe auf den ersten Blick, und es ist eine Liebe, wie wohl nur Teenager sie empfinden können: bedingungslos und alles bezwingend. Nur nicht die DDR.

In den Rollen von Anna und Philipp machen Lea Freund und Tim Bülow ihre Sache gut und erfüllen die Figuren mit, je nach Sachlage, Begeisterung füreinander und Verzweiflung über die Umstände; sie können schließlich nichts für das, was ihnen das von Susanne Fülscher, Antonia Rothe-Liermann und Regisseur Norbert Lechner nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Katja Hildebrand verfasste Drehbuch auferlegt. Herumspringen in der Grünanlage beispielsweise, wobei Anna und Philipp einander dann kneifen und schubsen und dazu recht herzhaft lachen müssen, so als wären sie nicht beinahe erwachsen, sondern Kinder an der Schwelle zur Pubertät, die sich dem andersgeschlechtlichen Körper nur über den Umweg des Scherzhaften zu nähern wagen. Dazu erklingt dann, mal wieder, Klaviergeklimper. Und, ernsthaft, die späten Achtziger mögen zwar bereits wie graue Vorzeit wirken, doch auch damals schon war das Wort »Pauker« zumindest in der BRD seit längerem nicht mehr im Gebrauch.

Insgesamt macht das ganze Unterfangen den Eindruck einer erschütternden Biederkeit und geradezu sträflichen Naivität. Der Gedanke liegt nahe, dass Koproduzent ZDF zu viele Wörtchen mitgeredet hat; nicht nur bei der visuellen Gestaltung (blitzsauber) und der Dramaturgie (konventionell), sondern vor allem bei der Frage nach dem Tiefgang (seicht).

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Kommentare

Wer den Film nicht verstanden hat mangelt es an Gefühl!!

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