Interview mit Robert Rodriguez über seinen Film »Alita: Battle Angel«

James Cameron und Robert Rodriguez am Set von »Alita: Battle Angel« (2019). © 20th Century Fox

James Cameron und Robert Rodriguez am Set von »Alita: Battle Angel« (2019)

© 20th Century Fox

Mr. Rodriguez, als Regisseur der beiden »Sin City«-Filme, die auf Comics basierten, waren Sie vermutlich bestens vertraut mit dem Manga »Battle Angel Alita«?

Nein, ich habe ihn absichtlich nicht gelesen, weil ich wusste, dass James Cameron einen Film daraus machen wollte und ich das Leinwanderlebnis für mich nicht verderben wollte. 15 Jahre später saß ich mit Jim bei einem Abendessen und fragte, was denn nun mit dem Film sei. Er erzählte, dass er mit Fortsetzungen von »Avatar« vollauf beschäftigt sei, außerdem sei das Drehbuch von »Alita« einfach zu lang. Ob ich mal einen Blick darauf werfen wollte? Ein Drehbuch von Jim zu bekommen, das war für mich so etwas wie der Heilige Gral! Ich habe mich daran gesetzt und es geschafft, von 180 Seiten sechzig herauszukürzen.

Das war eine vollkommen neue Erfahrung für Sie?

»Sin City« war ähnlich von der Herangehensweise, aber nicht im Umfang.

Wie sind Sie vorgegangen? Haben Sie erst einmal die Vorlage studiert?

Das war eine Quelle, wichtiger aber waren die Notizen, die Jim zu den Figuren angefertigt hatte, da ist er immer sehr detailliert, insgesamt waren das 600 Seiten, davon allein 30 über Alitas Körper.

Cameron hat Ihre Arbeit gefallen, Sie durften den Film inszenieren. Was sehen Sie im Rückblick als die größte Herausforderung an?

Einen realistischen Look für die Figur der Alita, die ja mittels performance capture erzeugt wurde, zu schaffen. Wie real würde ihr Gesicht aussehen, wie sehr würde es dem Zuschauer Emotionen vermitteln, das war die entscheidende Frage.

Jon Landau, der Produzent von »Alita«, erzählte, wie Sie bei den Castings zu ihm gekommen seien und ganz enthusiastisch sagten, sie hätten gerade die Hauptdarstellerin gefunden. Was hat Sie an Rosa Salazar sofort überzeugt?

Ich hatte für die Bewerberinnen drei Szenen ausgewählt, die sie in sehr unterschiedlichen Situationen zeigten. Die eine Kandidatin war bei einer gut, die andere bei einer anderen – doch Rosa überzeugte in allen drei.

Bei »Sin City« gab es eine Fortsetzung, bei »Spy Kids« gleich zwei. War das jedes Mal ein gewaltiger Schritt vorwärts, was die digitale Technik anbelangt, oder haben Sie den erst bei diesem Film erlebt?

Nein, das war jedes Mal eine enorme Weiterentwicklung, nicht nur bei »Spy Kids 3«, meinem ersten 3-D-Film. Das Tolle bei Fortsetzungen ist, dass man dabei wirklich experimentieren kann – das Publikum liebt die Figuren und das Franchise und wird auf jeden Fall eine Kinokarte lösen.

Es ist mittlerweile 22 Jahre her, dass Sie Ihr Buch »Rebel without a crew« veröffentlichten, eine Art »Bibel« für angehende Filmemacher, wie man mit minimalem Budget arbeiten kann. Auf den DVD's Ihrer Filme gibt es immer wieder die »10-Minute Film School«. Ist das mit »Alita« eine Sache der Vergangenheit?

Keineswegs! Die Erfahrungen bei low budget-Filmen helfen auch bei high budget-Filmen. Nach »Alita« habe ich, 25 Jahre nach meinem Regiedebüt »El Mariachi«, einen Film innerhalb von 14 Tagen für 7000 Dollar gedreht, ganz ohne Crew, mit Ausnahme einer Doku-Crew, die diesen Dreh für die Nachwelt festgehalten hat. Die »10-Minute Film School« werden Sie auch künftig auf den DVD's finden, wobei die Firmen ein zunehmendes Interesse an meiner »10-Minute Cooking School« bekunden. Nach den Frühstücks-Tacos können Sie bei »Alita« erleben, wie man die Schokolade herstellt, die sie sich im Film munden lässt.

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