Interview mit Ryan Coogler über seinen Film »Black Panther«

 Ryan Coogler © Walt Disney/Alberto E. Rodriguez (2016)

Ryan Coogler © Walt Disney/Alberto E. Rodriguez (2016)

Mr. Coogler, Ihr »Black Panther« ist die erste Comicverfilmung dieser Größenordnung mit einem schwarzen Protagonisten. Warum gab es einen solchen Film nicht schon früher?

Für diese Frage bin ich sicherlich nicht der richtige Adressat. Fragen Sie doch mal in den Chefetagen in Hollywood nach. Mit der Gleichberechtigung ist das halt so eine Sache, die ist nicht einfach da. Denken Sie an den Sport. Es ist noch gar nicht so schrecklich lange her, dass es im Profi-Basketball keine schwarzen Spieler gab. Oder dass Latinos keinen Baseball in der MLB spielen durften. Und wie so häufig in Fragen ethnischer Unterschiede und Hautfarben gibt es da natürlich eine starke wirtschaftliche Seite. So wie früher die Basketball-Bosse fürchteten, es käme kein Publikum mehr, wenn Afroamerikaner mitspielen, ging man in Hollywood lange davon aus, dass Filme mit schwarzen Helden kein Geld einbringen. Dieses Denken ändert sich immer erst, wenn es widerlegt wird. Und dazu braucht es Menschen, die den Mut haben, einfach mal etwas anders zu machen.

Wie läuft das eigentlich ab, wenn man einen so begehrten Job wie die Regie bei einem Marvel-Film haben will?

Die ersten Gespräche führte ich bereits, als ich noch mitten in der Arbeit an »Creed« steckte. Aber ich bin nicht gut darin, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen, deswegen dauerte es eine Weile, bis ich den Kopf frei hatte für »Black Panther« und alles seinen Gang gehen konnte. Deswegen standen damals in der Presse ein paar komische Gerüchte und es dauerte, bis mein Vertrag wirklich unterzeichnet war. Ich musste allerdings natürlich auch erst einmal eine Rohfassung von »The First Avenger: Civil War« gucken, denn in dem Film wurde ja Black Panther eingeführt. Und ich musste mich mit Hauptdarsteller Chadwick Boseman treffen, um zu sehen ob wir überhaupt miteinander klarkommen. Und dann musste ich meine Vision für diesen Film finden und vermitteln, was auch ein kompliziertes Unterfangen ist, wenn man eine Geschichte, die mir ein persönliches Anliegen ist, mit einem solchen riesigen Budget und dem Anspruch, auf der ganzen Welt zu funktionieren, kombinieren muss.

Der Druck bei einer solchen Produktion ist doch sicherlich enorm, oder?

Klar, man spürt schon einen gewissen Druck. Oder macht ihn sich vor allem selbst. Ich habe mich schon auf der Filmhochschule unter Druck gesetzt, einfach weil ich immer schon den bestmöglichen Film drehen wollte. Ganz gleich ob ich ein paar tausend oder viele Millionen Dollar zur Verfügung habe. Sicherlich war die Größenordnung von »Black Panther« für mich anfangs echt ungewohnt, was das Budget und überhaupt diese ganze Maschinerie angeht. Doch sobald ich mir bewusst gemacht hatte, dass es am Ende nur darauf ankommt, einen Film zu drehen, mit dem das Publikum emotional etwas anfangen kann, ließ sich der Rest bewerkstelligen. Und das Schöne in der Zusammenarbeit mit Marvel war, dass sie im Grunde auch kein anderes Ziel hatten.

Hat man denn als Regisseur im Marvel-Abenteuer überhaupt die Möglichkeit, einem einzelnen dieser Filme seinen Stempel aufzudrücken?

Das war natürlich auch meine Frage – und die Antwort ist tatsächlich: ja. Denn genau das ist es, was Kevin Feige und die anderen Verantwortlichen bei Marvel suchen: Filmemacher mit eigener Persönlichkeit und ebensolcher Handschrift. Damit die Filme eben gerade nicht eintönig und austauschbar werden. Tatsächlich wirkt ja »Thor« wie ein typischer Kenneth Branagh-Film, und der dritte »Iron Man« unterscheidet sich spürbar von den ersten beiden, weil er von Shane Black statt Jon Favreau ist. Taika Waititi hat in diesem Jahr mit dem neusten »Thor«-Abenteuer dem ganzen schließlich die Spitze aufgesetzt. Für mich war diese Erkenntnis essentiell, denn wenn ich das Gefühl gehabt hätte, ich hätte mich für »Black Panther« komplett verbiegen müsse, wäre das der falsche Job für mich gewesen.

Stattdessen sagen Sie, der Film sei für Sie sehr persönlich. In welcher Hinsicht?

Zum einen aus nostalgischen Gründen, denn ich bin seit meiner Kindheit einer großer Comic- und Superhelden-Fan. Ich bin aufgewachsen mit den X-Men und Spiderman und weiß auch noch genau, wann und wo ich mein erstes »Black Panther«-Heft in der Hand hielt. Das allein hätte diesen Film für mich schon zur Herzensangelegenheit gemacht. Doch noch wichtiger war Afrika.

Afrika?

Ja, denn als ich 2015 anfing, mit Marvel über »Black Panther« zu sprechen, ging das einher mit einer Phase, in der ich mich privat mit allerlei großen Themen auseinandersetzte. Kulturelle Identität, Abstammung, die Folgen der Kolonialisierung – solche Dinge trieben mich um. Und ich entwickelte die fixe Idee, endlich einmal den afrikanischen Kontinent zu betreten. Mein 30. Geburtstag stand bevor, und dass ich als schwarzer Mann dort noch nie gewesen war, musste sich ändern. Dass genau in dieser Phase, in der ich mit meiner damaligen Verlobten diese Reise plante, die Marvel-Leute wegen »Black Panther« bei mir anklopften, war beinahe Schicksal. Und nicht zuletzt deswegen habe ich so viel Wert darauf gelegt, den Kontinent im Film auf eine Weise zu zeigen, wie sie im Kino nicht an der Tagesordnung ist.

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