Kritik zu Zwei im falschen Film

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In ihrem zweiten Langfilm erzählt Laura Lackmann von einem im Alltagstrott und in der eigenen Schrulligkeit feststeckenden Paar, nicht neu – aber sehr ­vergnüglich und anders

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Wenn ein Mann seine Partnerin Heinz nennt, spricht das definitiv nicht für eine sonderlich romantische Liebesbeziehung. Aber für ein in die Jahre gekommenes Zusammensein, in dem sich beide zufrieden bis glücklich eingerichtet haben. Bis einer von beiden oder gleich beide bemerken, dass doch etwas fehlt. So passiert es bei Hans (Marc Hosemann) und Heinz (Laura Tonke), die eigentlich Laura heißt – so wie die Regisseurin Laura Lackmann und die wie immer hinreißend verhuschte Hauptdarstellerin Laura Tonke. Doch dazu später. Die beiden sind ein gut eingespieltes Team: Sie gibt als Synchronsprecherin in einer Zeichentrickfilmserie einer Ampel ihre Stimme, er hat einen Copyshop, der sich nachts zu der Wohnung der beiden verwandelt samt Industriekopierern, Fotowand und einer Schaufensterpuppe im Batman-Kostüm. Hauptsache, es ist ausreichend Platz für den riesigen Bildschirm. Denn Heinz und Hans verbringen ihre Abende am liebsten bei Salzstangen mit der Spielekonsole auf dem Sofa. Heinz alias Laura trägt dazu Antifaltenpads unter den Augen.

Um die 40 sind die beiden, seit acht Jahren ein Paar und eigentlich ganz zufrieden damit – bis ihnen alle Welt einreden will, dass es an Romantik fehlt, dass die Wohnung im Copyshop keine Wohnung ist und dass auch der uralte Golf, bei dem der Rückwärtsgang nicht mehr funktioniert, aber »Time of my Life« aus der 80er-Schnulze »Dirty Dancing« in Dauerschleife läuft, nicht mehr angemessen ist. Ach ja, und da taucht auch noch Lauras Ex Max (Hans Longo) auf, der in ihr alte Gefühle weckt, bei Hans aber nicht einmal eine Spur von Eifersucht entfacht. Die Sache ist klar: Die beiden müssen etwas tun. Sie schreiben eine Liste – und zwar mit Filzstift auf ihre Unterarme – was zur Liebe gehört. Für Hans ist es, dass sich Laura nicht immer wie Bob, der Baumeister, anzieht. Laura will wieder wilden Sex. Als Laura versucht, alte Zeiten zurückzuholen, geht das natürlich gründlich schief, und die eine oder andere Wahrheit kommt ans Licht.

Das Sujet einer in die Jahre gekommenen Liebe, dem sich Laura Lackmann in ihrem zweiten Spielfilm nach »Mängelexemplar« widmet, ist alles andere als neu, wird hier jedoch sehr charmant, witzig und mit viel Mut zu hässlichen und peinlichen Details in Szene gesetzt. Lackmann wählt eine Bildsprache, die immer wieder an Loriot und Evelyn Hamann auf dem Sofa erinnert: Hans und Heinz auf der Couch, Hans und Heinz beim Chinesen, Hans und Heinz im Auto – immer nebeneinander, zwei Nerds, die zusammengehören.

Der Titel lässt es erahnen: Lackmann spielt mit verschiedenen Metaebenen. Sie lässt ihr Liebesdrama im Kino beginnen, wo Hans und Heinz eine Schmonzette mit Happy End sehen – und sie selbst die Darsteller sind. Heinz alias Laura taucht auf dem Cover eines Modemagazins auf, Hans joggt im Fitnessstudio vor einer Leinwand durch den Wald. Eigentlich sind sich die beiden einig: Sie brauchen keine konventionelle Kulisse für ihre Liebe. Das herauszufinden, dauert mit knapp zwei Stunden etwas zu lang, lässt einen dennoch ebenso heiter wie nachdenklich zurück.

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