Kritik zu Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

© 20th Century Fox

Regisseur Paul McGuigan und Drehbuchautor Max Landis versuchen, der eigentlich auserzählten Geschichte des Dr. Frankenstein neuen Actionatem einzuhauchen

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3 (Stimmen: 1)

Daraus, dass kaum eine Geschichte im Horrorgenre schon so oft erzählt wurde wie Mary Shelleys Bericht vom größenwahnsinnigen Wissenschaftler und seinem Monster (erst kürzlich war in der britisch-amerikanischen Serie »Penny Dreadful« eine weitere Variante zu sehen), macht diese neue Version keinen Hehl. »Ihr kennt die Geschichte«, lautet folgerichtig gleich der erste Satz in »Victor Frankenstein«. Doch all das Spielen mit offenen Karten nützt dem Film von Regisseur Paul McGuigan (»Lucky Number Slevin«) und Drehbuchautor Max Landis (»American Ultra«) leider wenig.

Die Titelfigur spielt James McAvoy, doch der Erzählfokus liegt auf Daniel Radcliffes Igor, den der ehrgeizige Frankenstein zunächst aus einem Zirkuskäfig und dann von seinem monströsen Buckel befreit, bevor er ihn zum Assistenten macht. Den Eifer seines Meisters im Streben nach Unsterblichkeit unterstützt Igor zunächst gleichermaßen ehrfürchtig und eifrig. Doch bald kommt Skepsis auf, denn natürlich läuft die Sache – auch angesichts eines ermittelnden Kommissars (Andrew Scott), einer hübschen Trapezkünstlerin (Jessica Brown Findlay) und anderer Faktoren – bald aus dem Ruder. Man kennt die Geschichte, wie gesagt, selbst in abgewandelter Form.

Gut möglich, dass McGuigan und Landis mit ihrem Film für den Frankenstein-Mythos das schaffen wollten, was Guy Ritchie mit seinen »Sherlock Holmes«-Filmen recht erfolgreich gelungen war: einen auserzählt-angestaubten Klassiker mit den modernen Mätzchen des heutigen Kinos in ein rasantes, effekthascherisches Action­spektakel zu verwandeln. Das scheitert im Falle von »Victor Frankenstein« leider gnadenlos, nicht nur weil es an Tempo und Action mangelt. Schwerer wiegt noch, dass hier keiner genau zu wissen scheint, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Deswegen entsteht am Ende bloß ein aus verschiedenen Fetzen (Grusel, Komödie, Kostümfilm, Romanze, CGI-Geplänkel) lieblos zusammengeflicktes Etwas, das noch weniger zum Leben erwacht als Frankensteins Kreatur.

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