DVD-Tipp: Ousmane Sembène-Box
© trigon-film
Der Senegalese Ousmane Sembène gilt als einer der wichtigsten afrikanischen Filmschaffenden. Die Schweizer Stiftung trigon-film veröffentlicht nun drei Filme aus den 70ern
Ousmane Sembène war bereits ein erfolgreicher Schriftsteller, als er sich dem Film zuwandte. Als Regisseur zählt er zu den prägenden Persönlichkeiten der afrikanischen Kinematographie. Dies gilt nicht nur für die ersten Jahre nach der Unabhängigkeit vieler afrikanischer Staaten, sondern bis heute.
In den Jahren nach seinem Tod, 2007, war der Großteil seiner Filme nicht mehr zugänglich. Nach der Restaurierung und Digitalisierung vieler seiner Filme durch die US-amerikanische Criterion Collection macht trigon-film dankenswerterweise drei wichtige Werke Sembènes im Original mit deutschen und französischen Untertiteln in einer DVD-Kollektion zugänglich.
Die Filme spiegeln Sembènes zentrales Anliegen: die präzise Analyse jeglicher Spielart von Kolonialismus und Neokolonialismus in Form eines souverän inszenierten Erzählkinos, das unterhaltsame Stilmittel nicht scheut, um Herz und Verstand eines breiten Publikums anzusprechen – in Afrika und weltweit. Dabei greift er auf beerbenswerte afrikanische Traditionen zurück, weist jede romantische Verklärung einer vermeintlich heilen vorkolonialen Welt zurück und zielt auf individuelle wie kollektive Befreiung.
In »Ceddo« (1977) geben die koloniale Eroberung Westafrikas und das Vordringen der beiden Missionsreligionen Christentum und Islam den historischen Hintergrund ab, vor dem sich die Handlung des Films entfaltet. Der regionale König ist zum Islam konvertiert. Der intrigante Imam hat – anders als der katholische Priester – schon zahlreiche Gefolgsleute. Ein europäischer Händler tauscht Sklaven und landwirtschaftliche Produkte gegen Flinten und Gebrauchsgüter. Die Ceddo sind Animisten und widersetzen sich der Sklaverei wie der Missionierung. Als die Königstochter und Erstgeborene Dior Yacine von einem Ceddo entführt wird, der ihre Freilassung von der Garantie für Religionsfreiheit abhängig macht, eskaliert der Konflikt – in dessen Fortgang der Imam nach unumschränkter Macht strebt.
Der in Frankreich lange Zeit verbotene Film »Emitaï – Gott des Donners« (1971) greift auf ein reales Ereignis im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zurück, und Sembène verarbeitet auch eigene Erfahrungen als Soldat in der französischen Armee. Der Film beginnt mit der Zwangsrekrutierung junger Männer, bei der die französische Kolonialverwaltung auch Geiseln nimmt. Als die Franzosen ein Jahr später auch noch die gesamte Reisernte requirieren wollen, trifft dies auf den kollektiven Widerstand der Frauen. Nur einer der Männer folgt Emitaï, dem Gott des Donners und des Krieges, und stirbt mit dem »Speer in der Hand« – dialektisch gewendet kämpft er, entsagt aber zugleich dem alten Götterglauben.
»Xala« (1975) erzählt von Aufstieg und Fall des Geschäftsmanns und Politikers El Hadji Abdou Kader. Ebenso korrupt wie erfolgreich, ist er ein typischer Repräsentant der schwarzen Bourgeoisie nach der Unabhängigkeit des Senegal. El Hadji beschließt, eine dritte Frau zu heiraten – nicht älter als seine Tochter. Doch schon in der Hochzeitsnacht findet sein neues Glück ein jähes Ende. Er wurde mit dem »Xala« behext und ist impotent. Den guten Ratschlägen seiner Freunde wie den Anfeindungen seiner neuen Schwiegermutter ausgesetzt, sucht der moderne Geschäftsmann sogar einen Marabut auf. Am Ende unterwirft er sich einer Reinigungszeremonie, die eher dem Beginn einer Höllenfahrt gleicht.
Emitaï – Gott des Donners, Senegal 1971. Xala, Senegal 1975. Ceddo – Outsiders, Senegal 1977. Anbieter: trigon-film.






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