Kritik zu Untraceable

© Universal Pictures

Diane Lane als verwitwete FBI-Agentin, die gegen Internetkriminalität ­ermittelt und bald schon selbst zum Opfer zu werden droht - doch wie es sich für Mittvierzigerinnen in diesem Genre gehört, weiß sie sich sehr wohl zu helfen

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Jennifer Marsh (Diane Lane) lebt seit dem Tod ihres Mannes mit ihrer kleinen Tochter wieder zu Hause bei der Mutter in Portland. Des Nachts arbeitet die müde und überarbeitet wirkende Witwe für das FBI als Ermittlerin gegen Internetkriminalität. In den Weiten des Worldwide Web wird Marsh auf die Internet­seite »killwithme« aufmerksam. Hier kann man live per Videostream dabei zusehen, wie ein kleines, am Fußboden festgeklebtes Kätzchen langsam verhungert. Marsh ist entrüstet. Wer süße Tiere quält, muss ein Unmensch sein. Der Versuch, die Seite abzuschalten, schlägt fehl. Offensichtlich ist der Sadist auch Computerexperte. Sie benachrichtigt ihren Vorgesetzen, der die Webseite auch äußerst geschmacklos findet. Aber das FBI hat Wichtigeres zu tun, als kleine Kätzchen zu retten. Erst als am nächsten Tag ein menschliches Opfer in einer Folterapparatur vor laufender Kamera qualvoll verblutet, wird der Ernst der Lage klar.

Für den besonderen Kick bei diesen Live-Snuff-Videos im Internet sorgt die Tatsache, dass die hilflosen Opfer schneller verenden, umso mehr Menschen auf die Webseite klicken. Der sensationslüsterne Internetuser wird zum Komplizen eines gewieften Internetpsychopathen. Und die »Einschaltquoten« explodieren, als Jennifer Marsh bald selbst kopfüber in der Foltermühle hängt.

Das gediegene Mainstreamkino nimmt sich mit der üblichen Verspätung der fiesen und unappetitlichen Folterszenarien aus den jüngsten Hardcore-Horror-Serien-Erfolgen wie Hostel 2 oder Saw 4 an. Da muss ein FBI-Kollege von Jennifer Marsh in Batteriesäure sitzen, bis sich die Haut von seinem zuckenden Körper löst. Ein weiteres männliches Opfer wird so lange von heißen Lampen bestrahlt, bis er völlig ausgetrocknet und verkohlt ist. Diese Grausamkeiten werden natürlich in einem vordergründig geschmackvolleren und stets von moralischer Entrüstung geprägten Ton präsentiert. Ständig ist der spießbürgerliche Ruf nach Sicherheit und Ordnung in einem so unkontrollierbaren Ort wie dem Internet zu hören. Schließlich will man sich nicht der Gefahr hingeben, mit den zynischen und sadistischen Schmuddelfilmvorlagen verwechselt zu werden. Aber genau diese verlogene Übervorsichtigkeit führt dazu, das Untraceable ein vorhersehbarer und für den Zuschauer viel zu »sicherer« Thriller geworden ist.

Es ist der Leinwandpräsenz von Diane Lane zu verdanken, dass der Film trotzdem funktioniert. Schon oft hat Lane mittelmäßige Produktionen mit ihrer Glaubwürdigkeit und Souveränität gerettet. Aus dem ehemaligen Teeny-Sexsymbol in Rumble Fish (1983) oder Cotton Club (1984) ist längst die solide Actiondame aus Judge Dredd (1995) und Der Sturm (2000) geworden, die selbst schlüpfrige Softsexabenteuer wie Untreu (2002) zu großem erotischen Kino macht. In Untraceable verwandelt sich die Mittvierzigerin mühelos von der müden, aber fürsorglichen Mutter zu einer waschechten »Damsel in Distress«, die wiederum zu einem beinhart moralischen Racheengel wird.

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