Kritik zu A United Kingdom

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Kein Märchen: Ein afrikanischer Prinz heiratet eine Sekretärin aus London und sorgt damit für internationale Verwicklungen. Amma Assante erzählt eine wahre Geschichte aus dem britischen Imperium der unmittelbaren Nachkriegszeit

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Langsam, aber stetig bekommen die Lebenswelten schwarzer Mitbürger eine größere Präsenz im jahrzehntelang weiß gepolten Kinobetrieb. Selten geht es dabei einfach nur um das Leben und die Liebe, meist steht der Kampf gegen die Rassendiskriminierung im Zentrum. Als schwarze Engländerin ist die Regisseurin Amma Asante für diese Bruchlinien besonders sensibilisiert. In ihrem zweiten Spielfilm »Dido Elizabeth Belle«, der 2014 bei uns ins Kino kam, entfaltete sie die Lebensgeschichte einer namenlosen schwarzen Frau auf einem Gemälde des 18. Jahrhunderts. Leise und einfühlsam näherte sie sich der intimen Lebenserfahrung ihrer Heldin an, die zwar in einem liberalen Haushalt aufwuchs, den gesellschaftlichen Auswirkungen der Rassendiskriminierung aber dennoch ausgesetzt war. Auch in ihrem dritten Film, »A United Kingdom«, wählt sie nun einen intimen Ansatz für eine Geschichte mit großen politischen Dimensionen.

Alles beginnt mit einem Blickwechsel quer durch den Raum hinweg, zwischen der weißen Londoner Büroangestellten Ruth Williams (Rosamund Pike) und dem schwarzen Studenten Seretse Khama (David Oyelowo), 1947 bei einem gesellschaftlichen Abend der London Missionary Society. Zur äußeren Attraktion kommt die intellektuelle Anziehung hinzu, als Ruth beeindruckt Seretses klugen Argumenten für gegenseitige Toleranz und gegen das Gift des Rassismus lauscht. Doch die Liebe, die sich an diesem Abend entzündet, stößt bald auf enorme Widerstände, zum einen auf den nächtlichen Straßen Londons, wo das Paar von Rassisten angepöbelt wird, und von Ruths Vater, der lieber keine Tochter hätte als einen schwarzen Schwiegersohn. Zum andern wehrt sich auch Seretses Onkel, der seinen Status als König des britischem Protektorats Bechuanaland (aus dem später Botswana werden wird) durch ein weiße Frau gefährdet sieht, und schließlich gibt es sogar noch massiven Druck der Regierungen von Südafrika und Großbritannien.

Bei der Ankunft in Bechuanaland schlägt dem frisch verheirateten Paar eine Welle der Feindseligkeit entgegen. In der völlig fremden Umgebung erlebt Ruth einen umgekehrten Rassenhass, dem sie beharrlich mit demütigen und einfühlsamen Gesten begegnet, mit denen sie langsam, aber stetig die Sympathien ihrer Schwägerin verdient und, davon ausgehend, immer mehr Verbündete und Freunde gewinnt. Statt die Tradition der britischen Kolonialzeit weiterzuführen, verweigert sie alle Privilegien und unterwandert damit auch das System, das die Unabhängigkeit des Landes aus politischen und wirtschaftlichen Interessen um jeden Preis verhindern will. Unbeirrt treten die beiden gemeinsam allen Anfeindungen entgegen, durch gewitztes Taktieren, vor allem aber durch bedingungsloses Vertrauen ineinander, selbst über große Entfernungen hinweg, wenn etwa die britische Regierung Seretse die Heimreise verweigert. Stetig höhlen sie die Mechanismen der Apartheid in vielen kleinen Schritten aus, spürbar gespeist aus der Kraft, die ihre bedingungslose Liebe ihnen verleiht.

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