Kritik zu Und Äktschn!

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Polt is back. Der Meister der Kleinbürgersatire bajuwarischer Ausprägung kommt mit einem neuen Filmprojekt in die Kinos, das das Scheitern kleinbürgerlicher Filmprojekte zum Inhalt hat

Bewertung: 3
Leserbewertung
2.5
2.5 (Stimmen: 4)

In seinem neuen Film rückt Gerhard Polt, der Meister der Alltagssatire, dem Medium Film selbst auf den Leib. Der Amateurfilmer Hans A. Pospiech (Gerhard Polt) ist hoch verschuldet. Der Verkauf von NS-Devotionalien aus dem Erbe seines Vaters läuft nur schleppend, im Grunde hat er nur einen einzigen Kunden, und die Provenienz der Bilder, Filmausschnitte und Gebrauchsgegenstände würde einer Prüfung nicht standhalten. Das sieht auch seine Bank, die Spar-Bank, ein und schreibt, um sich von dem Darlehen nicht sang- und klanglos verabschieden zu müssen, einen Filmförderwettbewerb aus, den Pospiech »erstaunlicherweise« gewinnt. Mit dem Gewinn soll er seine Schulden zurückzahlen. So ist das Geld zwar immer noch abgeschrieben, nun aber zumindest werbeträchtig angelegt.

Doch das Filmprojekt, das Pospiech in Angriff nimmt, ist schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt: mit lokalen Laiendarstellern will er das private Leben Hitlers verfilmen, zwischen Obersalzberg, Blondie und Eva Braun. In selbst gebastelter Kulisse und mit rudimentärem Drehbuch.

»Der Mensch stirbt, aber der Film bleibt«, sagt Hans Pospiech selbstbewusst, »ohne Peter Ustinov wüsste heute kein Mensch mehr, wer Rom angezündet hat.« Mit dem Witz, der eines Woody Allen würdig wäre, gehen Gerhard Polt und sein Regisseur Frederick Baker durch den Film, der fast keine Handlung braucht. Szenen aus Hitlers Leben werden nachgestellt und in absurder Weise alltäglich. Man denkt unwillkürlich an jenen Youtube-Sketch, in dem eine Hitlerrede mit dem Polt-Stück über einen Leasingvertrag unterlegt wurde. So wird der Wahn pur und spürbar.

So weit geht Polt hier zwar nicht, doch Hitler wird auch in Und Äktschn! zum Spaßphänomen und letztlich zum Hampelmann. Nach vielen ernsthaften Hitlerfilmen, die mehr oder weniger scheiterten, kann wahrscheinlich nur die Komödie dem Phänomen noch neue Aspekte hinzufügen. Polts dörflicher Charme entspricht dabei der Vorstellung, die auch die Protagonisten von Hitler haben. Vom Altnazi, der den Ordnungshüter und Autobahnbauer nach wie vor verehrt und die Gräueltaten gern vergisst, bis zu der kleinen Angestellten, die sich geehrt fühlt, überhaupt in einem Film mitspielen zu dürfen.

Natürlich albert Polt, was das Zeug hält. Da wird ein Zahn in der Suppe gefunden und kein Haar, die Chefin heißt Frau Dr. Geil, aus dem Schmetterling wird erst ein Engerling und dann ein Kohlweißling und aus dem Dino- ein Kinosaurier. Auch Hollywood, so heißt es dann, hat mal in einer Garage angefangen. Am Schluss gibt es viele zerstrittene Darsteller, ein halb ruiniertes Set und keinen fertigen Film. Neben Polt brillieren Maximilian Brückner in einer eher ungewohnten Rolle sowie Nikolaus Paryla und die Kabarettistin Gisela Schneeberger. Und das Schönste ist, dass der Film selbst vielfach so handgemacht aussieht wie der, dessen Entstehung er dokumentiert.

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