Kritik zu Topjob – Showdown im Supermarkt

englisch © Third Rail

John C. Reilly und Seann William Scott liefern sich als rivalisierende Supermarktangestellte einen Kleinkrieg um die nächste Beförderung

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Doug Stauber (Sean William Scott), kleiner Angestellter einer großen Supermarktkette in Chicago, hat einen Traum. Demnächst eröffnet sein Konzern ein paar Blocks weiter eine neue Filiale – und Doug sieht sich selbst bereits als Manager dieses prächtigen Supermarkts. Seine Chancen stehen auch ziemlich gut. Bis eines Tages ein neuer Kollege auftaucht. Richard Wellner (John C. Reilly), frisch aus Kanada zugezogen, hat es ebenfalls auf die prestigeträchtige Stelle abgesehen. Und siehe da: binnen kurzer Zeit verwandeln sich Dougs Beförderungschancen von »sicherer Gewinner «, wie sein Chef kurz zuvor noch sagte, zu »noch mit im Rennen«. Was folgt, ist ein perfider Kleinkrieg im Mega-Markt, bei dem die beiden rivalisierenden »Heringsbändiger« nach Kräften versuchen, sich gegenseitig zu diskreditieren.

Wenngleich die Besetzung und die Ausgangssituation es vermuten lassen, ist »Topjob« keineswegs eine Schenkelklopfer-Komödie, die zwei arme Trottel beim Kampf um einen miesen Job zeigt. Steven Conrad, der hier sein Regiedebüt gibt, hat bereits in seinen Drehbüchern zu »Wrestling Ernest Hemingway« mit Robert Duvall oder »Weather Man« mit Nicolas Cage das Humoristische mit dem Melancholischen verbunden und die Tragik in vermeintlich aberwitzigen Momenten aufgespürt. So hat auch Dougs und Richards Buhlen um die Gunst des schmallippigen Konzern-Vorstands etwas zutiefst Trauriges und Entwürdigendes. Das amerikanische »Streben nach Glück«, wie vor drei Jahren ein Will-Smith-Film nach einem Drehbuch Conrads hieß, wird hier mit galligem Humor ad absurdum geführt. Folglich gibt es in dem Duell zwischen Doug und Richard auch keinen Guten und keinen Bösen.

Beide haben nachvollziehbare und dringliche Gründe, auf die Beförderung zu hoffen. John C. Reilly und der ewig unterschätzte Seann William Scott verkörpern diese Männer mit anrührender Warmherzigkeit. Doug und Richard werden in einen Verdrängungswettbewerb gezwungen, den sie nie führen wollten, und dass dabei ihre Kollegialität und zusehends auch ihre Menschlichkeit auf der Strecke bleibt, ist wohl der deutlichste Seitenhieb gegen den Mythos des »American Dream«, der hier sowieso nur einen Aufstieg vom Regalauffüller zum Marktleiter verspricht.

Es mag an diesem bitteren Blick auf kapitalistische Mechanismen liegen, dass »Topjob« an den amerikanischen Kinokassen kläglich floppte und auch bei der Kritik nicht sonderlich gut ankam. Tatsächlich setzt Conrad sich ein wenig zwischen die Stühle. Sein Film ist einerseits nicht boulevardesk genug, um das breite Publikum anzusprechen; andererseits verweigert er sich jenem billigen Zynismus, der die urbanen Hipster anlocken würde. Und um als Arthouse-Kino durchzugehen, fehlt es dem Ganzen dann doch an intellektueller Tiefe, formaler Eigenwilligkeit und dramaturgischer Konsequenz. Denn so erbarmungslos Conrad seine beiden traurigen Helden sich in ihrem kapitalistischen Hahnenkampf abstrampeln lässt, so aufgesetzt wirkt dann das versöhnliche Ende des Films. Irgendwie funktioniert das System dann doch. Zumindest im Kino.

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