Kritik zu Snow White and the Huntsman

© Universal Pictures

Keine zwei Monate ist es erst her, dass mit »Spieglein, Spieglein« sich ein Film anschickte, »Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen« (Untertitel) zu erzählen. Die neue Verfilmung punktet beim Visuellen und mit ungewöhnlichen Figuren

Bewertung: 3
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3 (Stimmen: 1)

Wie der Titel schon verspricht, setzt der jetzt – weltweit in derselben Woche– in die Kinos kommende Film einen Akzent bei den Figuren: Der Jäger ist nicht länger nur derjenige, der sein Opfer aus Mitleid verschont, er wird vielmehr zum Lehrmeister und Kampfgefährten von Schneewittchen, die am Ende in einer Rüstung wie Jeanne D’Arc das Heer anführt, das die Burg der bösen Königin attackiert, um deren Schreckensherrschaft ein Ende zu bereiten.

Visuell arbeitet der Film mit eher dunklen Bildern, dominiert von der bösen Königin, die einmal ein Gewand mit einem hohen Kragen aus rabenschwarzen Federn trägt und, angegriffen, sich in davon flatternde Raben auflöst. Als Kontrast fungiert eine Sequenz im Märchenwald, bevölkert von Elfen und zutraulichen Tieren, gekrönt von einem weißen Hirsch, der Snow White seinen Segen gibt, sie zur »Auserwählten« macht, die das Land von der Tyrannei der bösen Königin befreien wird, wie einer der Zwerge bemerkt.

Verglichen mit Spieglein Spieglein (ganz zu schweigen von Disneys klassischer Verfilmung, dem Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1937) ist die Rolle der sieben Zwerge hier eher klein. Dass sie dennoch im Gedächtnis bleiben, verdankt sich der Tatsache, dass sie von normalgroßen Darstellern verkörpert werden, gewissermaßen der Creme britischer character actors, darunter Bob Hoskins, Ian McShane, Nick Frost, Eddie Marsan und Toby Jones. Auch wenn man sie auf die Schnelle nicht alle erkennt: Sie haben wirklich Persönlichkeit – da besitzt der Film den Überschuss des klassischen Hollywood-Kinos (zumal wenn man im Presseheft nachliest, welcher Aufwand an verschiedenen Verfahren notwendig war, um die Darsteller im Film auf Zwergengröße schrumpfen zu lassen). Akzente gesetzt werden auch anderswo: der Moment mit dem vergifteten Apfel wird hier eher knapp und lakonisch gehandhabt.

Wo Julia Roberts als böse Königin in Spieglein Spieglein die Figur in all ihrer Eitelkeit der Lächerlichkeit preisgab, da porträtiert sie Charlize Theron hier weitaus überzeugender als getriebene Kreatur, von entschlossenem Willen, ihre Macht bis zum letzten zu verteidigen – selbst mit ihren Zauberkräften benötigt sie fortwährend junge Mädchen, denen sie den Lebenssaft aussaugt wie ein Vampir. In der unbeirrbaren Entschlossenheit der Königin und ihrer Überzeugung, der Mittelpunkt der Welt zu sein, kann es diese Figur durchaus mit Charlize Therons Figur in Jason Reitmans Young Adult aufnehmen.

Demgegenüber verblassen die drei positiven Hauptfiguren des Films eher, auch wenn Kristen Stewart den Wandel von der sieben Jahre in einem Turm eingesperrten jungen Frau zur entschlossenen Kämpferin ebenso bewältigt wie Chris Hemsworth den vom Jäger, der nach dem Tod seiner Frau dem Alkohol verfallen und zum Söldner herabgesunken ist, zu ihrem Mitstreiter. Nur Sam Clafin als Prinz hat wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Aber schon bei Disney war dies ja die uninteressanteste Figur.

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