Kritik zu Shootout – Keine Gnade

© Constantin

2012
Original-Titel: 
Bullet to the Head
Filmstart in Deutschland: 
07.03.2013
L: 
91 Min
FSK: 
16

Altmeister Walter Hill inszeniert Altstar Sylvester Stallone in einem Actionfilm über einen Profikiller auf Rachefeldzug – eine Art Genrezeitreise in die 80er Jahre

Bewertung: 3
Leserbewertung
3
3 (Stimmen: 3)
Fast siebzehn Jahre ist es her, seit mit Last Man Standing ein Film von Walter Hill seinen Weg in die deutschen Kinos gefunden hat. Zugegebenermaßen konnten seine nachfolgenden Kinoarbeiten, etwa der Knastfilm UNDISPUTED, nicht mit seinen früheren Klassikern mithalten. Aber zumindest der fürs Fernsehen produzierte Western BROKEN TRAIL (2006) hätte etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.
 
Nun also legt der Altmeister eine Art Kinocomeback vor: BULLET TO THE HEAD, so der äußerst passende Originaltitel, basiert auf dem gleichnamigen Comicroman des Franzosen Alexis Nolent. Sylvester Stallone spielt darin Jimmy Bobo, einen alternden Profikiller aus New Orleans, dessen Partner nach einem erfolgreich ausgeführten Auftrag umgebracht wird. Mit mehr oder weniger freiwilliger Unterstützung des jungen Cops Kwon startet er einen Rachefeldzug. Mehr gibt es zu der Geschichte nicht zu sagen, denn mehr als das passiert in dem Film nicht – und dass selbst diese äußerst schlichte Story nicht frei von Ungereimtheiten ist, muss man schon als Kunststück betrachten.
 
Der Reiz des Films liegt denn auch vor allem in der Art, wie Hill das Ganze inszeniert und wie Stallone seine Figur anlegt. Es ist durchaus faszinierend, mit welch bierernster Konsequenz die beiden einen Actioner abliefern, der bis ins Detail auch als Produktion aus dem Jahr 1985 durchgehen würde. Von der Buddymovie-Konstellation über die Geiselnahme der Tochter Bobos durch einen diabolisch dreinblickenden Superkiller bis hin zum Showdown in einer stillgelegten Fabrikhalle, bei dem jede Menge Bösewichte über Geländer in die Tiefe stürzen, muss man SHOOTOUT– KEINE GNADE als eine gewaltige Reminiszenz an die große Zeit von Regisseur und Hauptdarsteller verstehen. Für Kenner gibt es eine Reihe hübscher Anspielungen auf Hill-Klassiker wie NUR 48 STUNDEN, DIE LETZTEN AMERIKANER oder STRASSEN IN FLAMMEN und Stallone-Filme wie DIE CITY-COBRA.
 
Doch hat der Film auch Qualitäten jenseits der Zitierfreude. Hill und sein Stammkameramann Lloyd Ahern finden bei der visuellen Gestaltung, vor allem durch eine markante Lichtsetzung, eine schöne, unaufdringliche Entsprechung für die Comicästhetik der Vorlage. Und vor allem während der ersten halben Stunde erweist Hill sich einmal mehr als Meister in Sachen beinharter Action und schwüler, zwischen Ausgelassenheit und Bedrohung pendelnder "Southern"-Atmosphäre. Passend zur altmodischen No-Nonsense-Inszenierung gibt Stallone, dessen Gesicht und Körper immer mehr einer abgeschliffenen Gebirgslandschaft gleichen, seinen Killer als lakonischen, gänzlich moralfreien Professional – und man meint, seinem knochentrockenen Spiel anzumerken, dass er nach langer Zeit wieder mit einem Regisseur arbeitet, der etwas von Schauspielerführung versteht. In der Summe deutet das alles freilich eher auf das hin, was SHOOTOUT – KEINE GNADE mit einem besseren Drehbuch hätte sein können. Und ob Hill damit wirklich ein Comeback feiern kann, bleibt abzuwarten. Aber für eine Genrezeitreise in die guten, alten 80er taugt der Film allemal.

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