Kritik zu By the Sea

© Universal Pictures

In ihrer dritten Regiearbeit zeigt und spielt Angelina Jolie eine unglückliche 70er-Jahre-Ehefrau an der Seite eines von Brad Pitt gespielten Schriftstellers

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3 (Stimmen: 1)

Die ersten Bilder sind pure cineastische Verführung: Ein Citroën DS braust mit offenem Verdeck durch die sommerliche Landschaft Südfrankreichs und arbeitet sich die Serpentinenstraße hinunter zur azurblauen See. An Bord ein Mann und eine Frau, gespielt von Angelina Jolie und Brad Pitt in feinster 70er-Jahre-Trikotage. Aber der nostalgische Retro-Glamour ist nur Blendwerk, denn in Jolies dritter Regiearbeit »By the Sea« steht eine zerrüttete Ehe im Zentrum.

Der Schriftsteller Roland und die ehemalige Tänzerin Vanessa gehen sich auch im Urlaub aus dem Wege. Während er im örtlichen Café seine Schreibblockade in Alkohol ertränkt, verlässt sie kaum das Hotelzimmer und pflegt, stets gut geschminkt, auf dem Bett vor sich hin dämmernd, ihre Depression. Fast eine ganze Kinostunde lang schaut der Film den beiden beim dekorativen Leiden zu. Als ein frisch verheiratetes Paar (Mélanie Laurent, Melvil Poupaud) im Nebenzimmer einzieht, kommt – ein wenig – Bewegung in die verkrusteten Ehestrukturen. Zunächst beobachtet Vanessa durch ein Loch in der Wand das rege Treiben nebenan. Später gesellt sich Roland dazu und hofft auf die verbindende Kraft des voyeuristischen Erlebnisses. Aber das junge Glück vergrößert nur die eigene Trübsal, die hier auf strapaziöse Weise obduziert wird, ohne dass daraus ein narrativer Bringwert entsteht.

Zweifellos ist »By the Sea« ein Film von erlesener Schönheit. Das Produktionsdesign ist hervorragend, die Kamera von Christian Berger (»Das weiße Band«) schwelgt in mediterranen Beige-Tönen und man merkt deutlich, dass die Filmemacherin ihren visuellen Stil mit der französischen Nouvelle Vague abgeglichen hat. Nur leider versäumt es das von Jolie verfasste Skript, die perfekte Form mit einem interessanten Inhalt zu füllen. Bis zum Schluss bleibt die eigentliche Ursache für die eheliche Zerrüttung im Dunkeln. Als dann nach 120 äußerst schleppenden Filmminuten das Geheimnis wider Erwarten doch noch gelüftet wird, kommt die Erklärung für Vanessas Depression direkt aus dem Frauenklischeekatalog.

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